Tourismus in Ueckermünde erleidet Rückschlag: Keine Sonntagsöffnung für Supermärkte mehr
Ueckermünde: Keine Supermarkt-Öffnung mehr am Sonntag

Tourismus in Ueckermünde erleidet Rückschlag: Keine Sonntagsöffnung für Supermärkte mehr

Im Sommer 2025 herrschte an Sonntagen noch reger Betrieb im Ueckermünder Lidl-Markt. Urlauber konnten sich dort mit Lebensmitteln eindecken, während sie ihren Aufenthalt am Stettiner Haff genossen. Doch ab diesem Jahr ist diese Möglichkeit Geschichte. Die neue Öffnungszeitenverordnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern verbietet die Sonntagsöffnung von Supermärkten in Ueckermünde, was Bürgermeister Jürgen Kliewe als "großen Standortnachteil" bezeichnet.

Übergangsregelung läuft aus

Im vergangenen Jahr galt noch eine Übergangsregelung, die dem Lidl in der Nähe des Stadtzentrums die Sonntagsöffnung erlaubte. "Unzählige Touristen nutzten diese Möglichkeit", erklärt Bürgermeister Kliewe. Die Nachfrage war so groß, dass es teilweise zu leeren Regalen kam. Ab dem 15. März müssen jedoch nicht nur der Lidl, sondern alle Lebensmittelmärkte in Ueckermünde sonntags geschlossen bleiben, während auf der Insel Usedom und anderen Orten die Geschäfte öffnen dürfen.

Der parteilose Bürgermeister sieht darin eine Benachteiligung der Touristen, die am Wochenende anreisen und in Ueckermünde oder den umliegenden Orten Urlaub machen wollen. "Sie können sich am Sonntag nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen", kritisiert Kliewe. Er hat kein Verständnis für diese Regelung, zumal Sonntage früher, als auch Edeka, Aldi und Netto öffnen durften, immer die umsatzstärksten Tage gewesen seien.

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Statistische Hürden verhindern Ausnahme

Das grundlegende Problem liegt in den Kriterien der Öffnungszeitenverordnung. Diese erlaubt Sonntagsöffnungen nur in "anerkannten Orten mit einem besonders hohen Tourismusaufkommen". Das Wirtschaftsministerium setzt dabei die Anzahl der gewerblichen Übernachtungen in Verhältnis zur Einwohnerzahl. Ueckermünde müsste 175 Prozent des Landesdurchschnitts erreichen, schafft dies mit 102.131 Übernachtungen im Jahr 2024 jedoch nicht.

Selbst wenn man alternative Berechnungsmethoden anwendet, scheitert die Stadt an den Vorgaben:

  • Bei einer Einzelfallentscheidung könnten auch Quartiere mit weniger als zehn Betten einbezogen werden, was insgesamt 153.400 Übernachtungen ergäbe
  • Zusätzlich könnten Tagesgäste vom Tierpark, Strand, Reedereien, der Kogge und großen Festen hinzugerechnet werden
  • Dennoch würde Ueckermünde nicht auf die geforderten 350 Prozent des Landesdurchschnitts kommen

Bürgermeister Kliewe kann nicht nachvollziehen, wie das Ministerium auf diese Prozentsätze kommt. "Am Ueckermünder Strand sieht es während der Saison nicht anders aus als in Ahlbeck oder Zinnowitz", betont er. An heißen Tagen tummeln sich bis zu 6.500 Gäste am Stettiner Haff.

Strand nicht als Freizeiteinrichtung anerkannt

Ein dritter Weg zur Erlangung der Sonntagsöffnungserlaubnis wäre der Nachweis einer Freizeiteinrichtung mit mehr als 200.000 Besuchern jährlich. Der Ueckermünder Tierpark kommt auf 110.000 bis 120.000 Besucher, der Haff-Strand sogar auf 326.000 Gäste (Stand 2023). Doch das Wirtschaftsministerium erkennt den Strand nicht als "Freizeiteinrichtung" an, was Kliewe vehement widerspricht: "Dabei ist es eine."

In der Lagunenstadt Ueckermünde werden zahlreiche Ferienwohnungen vermietet, die Stadt verfügt über einen riesigen Strand am Stettiner Haff, zwei Hotels, einen Ferienpark, Wohnmobilstellplätze und viele private Ferienunterkünfte. Trotz dieser touristischen Infrastruktur und der offiziellen Anerkennung als Seebad bleibt die Sonntagsöffnung verwehrt.

Ministerium verteidigt strenge Regelungen

Das Wirtschaftsministerium unter Minister Wolfgang Blank (parteilos) verteidigt die Öffnungszeitenverordnung. Ein Sprecher erklärt, man sei an geltendes Verfassungsrecht und die entsprechende Rechtsprechung gebunden. In der Rechtsprechung sei festgelegt, dass Geschäfte an Sonn- und Feiertagen im Regelfall geschlossen sein müssten. Davon könne nur in eng begrenzten Ausnahmefällen abgewichen werden.

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"Wegen des engen Rahmens kann auch nicht festgelegt werden, dass jedes Seebad automatisch die Erlaubnis für Sonntagsöffnungszeiten bekommt", so der Ministeriumssprecher. Für alle Kommunen im Land erfolge eine Gleichbehandlung nach den geltenden Regeln der Verordnung. Jede Kommune werde anhand ihres Tourismusaufkommens nach denselben Vorgaben geprüft.

In Telefongesprächen zwischen Minister Blank und Bürgermeister Kliewe wurde die besondere Lage und Bedeutung Ueckermündes am Stettiner Haff erörtert. Dabei ging es auch um die Stellung als anerkanntes Seebad und die daraus resultierende touristische Anziehungskraft. Das Ministerium rät zu einer nochmaligen Prüfung des Tourismusaufkommens, da es vielleicht weitere Möglichkeiten der Erhebung gebe.

Eine mögliche Lösung könnte in der Bildung einer Tourismusregion liegen, die Ueckermünde mit Mönkebude, Grambin, Altwarp, Vogelsang-Warsin und eventuell Eggesin umfasst. Minister Blank habe signalisiert, Ueckermünde in eine zweite Charge als Ort mit besonders hohem Tourismusaufkommen aufnehmen zu wollen, so Kliewe. Bis dahin müssen Touristen am Sonntag jedoch auf alternative Versorgungsmöglichkeiten zurückgreifen oder ihre Einkäufe vorab erledigen.