Der Tankrabatt in Deutschland zeigt noch nicht die erhoffte volle Wirkung. Der ADAC, Europas größter Automobilclub, kritisiert, dass die Steuersenkung auf Benzin und Diesel nicht vollständig an den Zapfsäulen ankommt. Nach Berechnungen des Clubs müssten die Kraftstoffpreise etwa drei Cent niedriger sein, um die Steuerentlastung von 16,7 Cent pro Liter vollständig widerzuspiegeln.
Preise gefallen, aber nicht genug
Am Freitag, dem ersten Tag des Tankrabatts, kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt 1,989 Euro, Diesel lag bei 2,079 Euro. Das sind Rückgänge von 13,7 beziehungsweise 13,6 Cent im Vergleich zum Vortag. Das Bundeskartellamt bestätigt einen durchschnittlichen Preisrückgang von knapp 13 Cent zwischen dem 30. April und dem 1. Mai. Allerdings seien die Unterschiede zwischen den Tankstellen und Regionen groß.
Regionale Unterschiede deutlich
Laut der Bonner Wettbewerbsbehörde ist das Preisniveau in weiten Teilen Süddeutschlands um fünf bis sieben Cent niedriger als in Mittel- und Norddeutschland. Ursache seien Unterschiede bei den Raffinerie- und Großhandelspreisen. Am Samstag (Stand 10:30 Uhr) lagen die Durchschnittspreise für Diesel bei 2,06 Euro, für Super E5 bei 2,03 Euro und für Super E10 bei 1,97 Euro pro Liter.
Ölpreis gesunken – Spielraum für weitere Senkungen
Der ADAC weist darauf hin, dass der Ölpreis nach kurzfristigen Höchstständen Ende April wieder deutlich nachgegeben habe. Dadurch ergebe sich zusätzlicher Spielraum für Preisreduzierungen. Eine Sprecherin des Clubs forderte, die Steuersenkung müsse im Laufe des Samstags vollständig an die Verbraucher weitergegeben werden.
Kritik an Mineralölkonzernen
Schon vor Einführung des Tankrabatts gab es Befürchtungen, dass die Mineralölkonzerne einen Teil der Entlastung für sich behalten könnten. In der Vergangenheit waren die Margen der Konzerne nach ähnlichen Preisnachlässen gestiegen. Janine Wissler, wirtschaftspolitische Sprecherin der Linkenfraktion im Bundestag, kritisierte: „Bisher geht die Abzocke an der Tankstelle fröhlich weiter.“ Viele Tankstellen hätten ihre Preise kurz vor Inkrafttreten noch einmal deutlich angezogen. Wissler erneuerte die Forderung nach 150 Euro Krisengeld für alle und einer Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets. Zur Finanzierung könnten abgeschöpfte Übergewinne der Mineralölkonzerne genutzt werden.
Branchenverband verspricht volle Weitergabe
Der Branchenverband Fuels und Energie hatte zum Start des Tankrabatts angekündigt, dass die volle Steuersenkung bei den Kunden ankommen solle. Allerdings wies die Branche darauf hin, dass sich in den Tanks vieler Tankstellen noch Kraftstoff befinde, der nach den alten Steuersätzen abgerechnet wurde. Entscheidend für den Steuernachlass sei nicht der Verkauf an der Tankstelle, sondern der Zeitpunkt, an dem der Kraftstoff das Tanklager oder die Raffinerie verlassen hat.
Der Wirtschaftspsychologe Florian Bauer sagte dem SPIEGEL: „Der Spritpreis steht für alles, was ökonomisch in Deutschland falsch läuft.“



