Bahn-Chaos: Funkausfall legt Verkehr lahm – Ursache noch unklar
Bahn-Chaos: Funkausfall legt Verkehr lahm

Am späten Dienstagabend kam es bei der Deutschen Bahn zu einer deutschlandweiten Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R, die den Bahnverkehr für rund zwei Stunden weitgehend zum Stillstand brachte. Kurz nach Mitternacht war das Problem behoben, ab etwa 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder und der Verkehr lief schrittweise an. Der Morgen danach zeigte sich im Regional- und Fernverkehr sowie im S-Bahn-Betrieb weitgehend planmäßig, wenn auch mit einzelnen Folgeverspätungen.

Was wir über die Störung wissen

Die Deutsche Bahn nannte als Ursache eine Funkstörung im GSM-R-Netz. GSM-R steht für „Global System for Mobile Communications – Railway“ und ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur. Die Bahn teilte mit, dass die Ursache in der Nacht identifiziert und behoben worden sei. Bahn-Chefin Evelyn Palla erklärte, die Lage sei mit Hilfe eines Notfallsystems stabilisiert worden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Deutsche Bahn stehen seit Dienstagabend im Austausch über den Vorfall.

In Sicherheitskreisen wird als wahrscheinliche Ursache ein fehlerhaftes Software-Update der Deutschen Bahn vermutet. Sicherheitsbehörden gehen nach übereinstimmenden Angaben nicht von Sabotage oder einem Cyberangriff aus. Am Abend der Störung waren Fern- und Regionalverkehr, S-Bahnen und Bahn-Mitbewerber sowie der nächtliche Güterverkehr bundesweit betroffen. Viele Reisende strandeten auf Bahnhöfen; es kam zu langen Warteschlangen vor Informationen, vereinzelt fehlte die Kommunikation über Abfahrten. Taxi- und Hotelgutscheine wurden ausgegeben, allerdings waren nicht überall Unterkünfte verfügbar.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Forderungen nach Aufklärung

Unter anderen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sowie der Verband der privaten Güterbahnen forderten eine vollständige Aufklärung des Vorfalls. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Armand Zorn, forderte, dass bei einer technischen Störung, die den Bahnverkehr in großen Teilen Deutschlands beeinträchtigen könne, schnell und umfassend gehandelt werden müsse.

Was weiterhin unklar bleibt

Die Deutsche Bahn nannte trotz Identifizierung der Ursache zunächst keine konkreten technischen Details. Unklar bleibt daher, welche Komponenten oder Systeme genau betroffen waren. Es ist offen, ob tatsächlich ein fehlerhaftes Software-Update verantwortlich war; hierzu laufen weiterhin interne Untersuchungen der Deutschen Bahn. Noch unklar ist, weshalb ein einzelnes System einen bundesweiten Komplettausfall verursachen konnte und warum bestehende Notfallmechanismen den Stillstand nicht verhindern konnten. Nicht geklärt ist, weshalb die Informationslage für Reisende an mehreren Bahnhöfen unzureichend war und welche Kommunikationsketten versagt haben. Offen ist bisher, wie viele Bahn-Reisende bundesweit in der Nacht betroffen waren. Keine Angaben liegen bisher zu den möglichen Kosten der Störung für die Bahn vor.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration