Extreme Hitzewelle in Berlin: Bis zu 40 Grad am Wochenende erwartet
Extreme Hitzewelle in Berlin: Bis zu 40 Grad

Berlin und Brandenburg erleben in dieser Woche eine außergewöhnliche Hitzewelle. Nach einem noch milden Wochenstart klettern die Temperaturen ab Mittwoch rasant an und erreichen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) am Wochenende Spitzenwerte von bis zu 40 Grad. Der bisherige Hitzerekord für Berlin von 38,6 Grad, gemessen am 30. Juni 2019 in Tegel, könnte damit fallen. Meteorologe Stefan Rubach vom DWD bestätigte: „In dieser Größenordnung werden wir landen“ – es werde „sehr heiß, ungewöhnlich heiß für Juni“.

Bäder öffnen trotz technischer Probleme rechtzeitig

Rechtzeitig vor dem Höhepunkt der Hitzewelle haben die Berliner Bäder-Betriebe die technischen Probleme im Columbiabad und im Prinzenbad behoben. Beide Freibäder öffneten am Mittwoch wieder – das Columbiabad in Neukölln sogar früher als zunächst geplant, nachdem das Gesundheitsamt grünes Licht gab. Das Prinzenbad in Kreuzberg war bereits ab dem Vormittag wieder komplett geöffnet. Der Andrang dürfte enorm sein, denn bereits am vergangenen Wochenende standen Schlangen vor den Bädern.

Blutreserven auf kritischem Niveau

Die anhaltende Hitze führt zu einem drastischen Rückgang der Blutspenden. Der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost meldet, dass die Reserven deutlich unter der erforderlichen Tagesreichweite von vier bis fünf Tagen liegen. „Allein in Berlin und Brandenburg benötigen wir rund 600 Blutspenden an jedem Werktag“, so ein Sprecher. Daher ruft das DRK dringend zum Blutspenden auf – auch bei Hitze sei dies möglich, die Trinkmenge solle jedoch auf etwa drei Liter erhöht werden. Blut werde unter anderem nach Unfällen, bei Operationen und in der Krebstherapie benötigt.

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Senioren im Fokus: Silbernetz startet Hitzewarnservice

Der Verein Silbernetz hat einen Telefonservice gestartet, der ältere Menschen automatisch vor Extremwetter warnt. „Extreme Wetterlagen können insbesondere für ältere und alleinlebende Menschen zur Belastung werden“, erklärte Leiterin Kerstin Winkler. Der Service informiert über Verhaltenstipps, kühle Aufenthaltsorte und die sichere Lagerung von Medikamenten. Bei Bedarf vermitteln Ehrenamtliche praktische Hilfe wie Einkäufe. Das Angebot ist kostenfrei und wird von der Lotto-Stiftung Berlin gefördert.

Hitzefrei an Schulen? Nur in Ausnahmefällen

Trotz Temperaturen jenseits der 30 Grad gibt es an Berliner Schulen nicht automatisch hitzefrei. Die Senatsverwaltung für Bildung betont: „Grundsätzlich besteht Schulpflicht. Unterrichtsausfall soll die Ausnahme bleiben.“ Allerdings können Schulleitungen flexibel reagieren, etwa durch verkürzte Stunden oder – wenn eine angemessene Durchführung nicht möglich ist – Unterrichtsausfall anordnen.

Veranstaltungsabsagen wegen Hitze

Die extreme Hitze zwingt zu Absagen: Der Fahrrad-Pride in Potsdam, der am Samstag stattfinden sollte, wurde abgesagt. „Schweren Herzens haben wir uns für die Absage entschieden – doch die Sicherheit der Teilnehmenden und Veranstaltenden geht vor“, so Julia Sergon vom Verein Regenbogen Potsdam. Ein Nachholtermin im Herbst ist geplant. Auch die Hellersdorfer Mini-WM für Kinder am Samstag fällt aus. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land teilte mit: „Angesichts der hohen Temperaturen sehen wir keine verantwortbare Möglichkeit, das Turnier wie geplant durchzuführen.“

Tropennächte: Kaum Abkühlung in den Innenstädten

Besonders belastend sind die sogenannten Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Meteorologe Andreas Blei von der „Wettermanufaktur“ prognostiziert für die Nächte zum Sonntag und Montag Tiefstwerte zwischen 23 und 25 Grad. In dicht bebauten Stadtteilen können Wohnungen dann kaum noch auskühlen. Statistisch erlebt Berlin nur 1,3 solcher Nächte pro Jahr – diese Woche könnten gleich mehrere folgen.

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Stimmung in der Stadt: Zwischen Genuss und Vorsorge

Trotz der extremen Temperaturen genießen viele Berliner die Sonne. Auf dem Leopoldplatz in Wedding nutzen Menschen die Morgenstunden für Kaffee im Freien, während Obsthändler Wassermelonen verkaufen. Markthändlerin Kristina Hübner, die auf dem Mariendorfer Damm Käse und Würste anbietet, sagt: „Wir müssen uns an die Temperaturen gewöhnen, das wird ja in Zukunft nicht weniger.“ Ihr Standnachbar Iqbal Munawar, der aus Pakistan stammt, ergänzt: „30 Grad hier fühlen sich wie 45 Grad in Pakistan an. Hier ist man klebriger.“

Die Berliner Pralinenmanufaktur Sawade produziert unter klimatisierten Bedingungen weiter und kühlt ihre Filialen herunter. Auch Florida Eis in Spandau profitiert: „Mein Team hat gerade richtig viel zu tun“, so Firmenchef Olaf Höhn.

Waldbrandgefahr in Brandenburg steigt

In Brandenburg steigt mit den Temperaturen die Waldbrandgefahr. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, keine offenen Feuer zu entzünden und Zigarettenkippen nicht achtlos wegzuwerfen. Der DWD erwartet täglich neue Spitzenwerte, den Höhepunkt am Wochenende.

Die Wasserversorgung in Berlin bleibt laut Angaben der Stadtwerke stabil – auch dank eines veränderten Konsumverhaltens der Bevölkerung. Der DWD empfiehlt, die kühlen Nächte zum Lüften zu nutzen, denn in den folgenden Nächten kühle es weniger ab.