Der Pharma- und Agrarkonzern Bayer bündelt sein US-Geschäft mit dem weitverbreiteten und umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in einer eigenständigen Tochtergesellschaft. Die neue Gesellschaft werde den Namen Ruveon tragen, teilte der Leverkusener Konzern mit. Ziel sei es, das Geschäft optimal auf die spezifischen Anforderungen des US-Marktes auszurichten. Ruveon werde von St. Louis aus alle Aspekte des US-Glyphosatgeschäfts verantworten, von der Preisgestaltung bis zur Produktion, bleibe jedoch Teil des Bayer-Konzerns.
Hintergrund: Klagewelle nach Monsanto-Übernahme
Bayer hat sich mit der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto im Jahr 2018 eine Klagewelle in den USA wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter wie Roundup eingehandelt. Im Streit über die Kennzeichnung der Risiken hat Bayer zuletzt allerdings einen wichtigen Sieg erringen können. Der oberste Gerichtshof der USA entschied, Bayer könne nicht auf Basis des Rechts einzelner Bundesstaaten wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden. In den USA seien einheitliche Markierungen von der Umweltbehörde EPA vorgeschrieben. Tausenden Klagen im Zusammenhang mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen sein.
Ausgliederung als Teil des Fünfjahresprogramms
Die Ausgliederung ist Teil eines im vergangenen Jahr vorgestellten Fünfjahresprogramms für die Agrarsparte Crop Science – kommt aber in auffälliger zeitlicher Nähe zu der Entscheidung des Supreme Court. Als eigenständige Einheit könne Ruveon agiler handeln und damit besser auf die Wettbewerbsdynamik in dem von Nachahmerprodukten geprägten US-Markt reagieren, hieß es weiter. »Der heutige Schritt ist ein wichtiger Meilenstein in der Umsetzung unseres Fünfjahresprogramms«, sagte Brian Naber, Leiter von Crop Science für Nordamerika. »Mit dem Start von Ruveon bekräftigen wir unser Engagement im Glyphosatmarkt.« Die neue Gesellschaft wird von Alfonso Alba Ordonez geleitet.
Vergleichsverhandlungen laufen weiter
Im Streit mit zahlreichen der Glyphosat-Klägern wiederum steht diesen Sommer noch eine Anhörung bezüglich der Genehmigung eines Vergleichs an. Bayer hatte im Februar einen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden Dollar zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten zu Roundup in den USA geschlossen, der bereits vorläufig genehmigt wurde. Darüber soll nun am 19. August statt wie ursprünglich geplant Anfang Juli verhandelt werden.
Die Klagewelle wegen Glyphosat belastet Bayer, das Unternehmen hat Rückstellungen in Milliardenhöhe für Vergleiche und künftige Fälle gebildet. Die Rechtsstreitigkeiten schlagen seit Jahren auf den Aktienkurs des Unternehmens durch. Bayer verneint ein Krebsrisiko.



