Trauriges Ende einer Getränke-Dynastie: Berentzen-Unternehmen nach Tod des Chefs insolvent
Die deutsche Getränkebranche erlebt einen herben Verlust. Christian Berentzen, Geschäftsführer der Rhenser Mineralbrunnen GmbH, ist unerwartet im Alter von nur 60 Jahren verstorben. Sein Tod markiert nicht nur ein persönliches Drama, sondern leitet auch das vorläufige Ende eines traditionsreichen Familienunternehmens ein. Kurz nach dem Ableben des Chefs musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, was 140 Mitarbeiter in existenzielle Unsicherheit stürzt.
Doppelte Tragödie: Zwei Brüder sterben viel zu früh
Die aktuelle Insolvenz ist eingebettet in eine tragische Familiengeschichte. Bereits vor drei Jahren starb Friedrich Berentzen, der Bruder von Christian, ebenfalls plötzlich im Alter von nur 56 Jahren. Beide fungierten als Geschäftsführer des Unternehmens und führten gemeinsam die Geschicke des Mineralbrunnens. Fast auf den Tag genau drei Jahre nach dem Tod seines Bruders erlag nun Christian Berentzen im Februar 2026 einem unerwarteten Schicksal. Er hinterlässt eine trauernde Ehefrau und zwei Kinder.
Die Belegschaft des Unternehmens wurde vom Tod ihres Chefs völlig überrascht. Selbst der Fußball-Bundesligist Mainz 05, mit dem Christian Berentzen fast acht Jahre partnerschaftlich verbunden war, zeigte sich bestürzt. In einer offiziellen Traueranzeige würdigte der Verein die engen persönlichen Beziehungen, die sich während der Zusammenarbeit entwickelt hatten.
Von Apfelkorn-Kult zu mineralwasser-bedingter Insolvenz
Die Brüder Christian und Friedrich Berentzen junior entstammen einer der bekanntesten deutschen Getränkedynastien. Ihr Vater, Friedrich Berentzen senior, machte die Spirituosenmarke Berentzen mit der Einführung des Apfelkorns 1976 bundesweit berühmt. Der fruchtige Schnaps entwickelte sich schnell zum Kultgetränk und brachte der Familie Millionen ein. Zusammen mit seinem Bruder Hans führte er den seit 1758 bestehenden Familienbetrieb zu großer Expansion, erwarb 1958 die Pepsi-Cola-Konzession und brachte das Unternehmen 1994 an die Börse.
Doch spätestens zur Jahrtausendwende begann der Niedergang. Die Nachfrage nach hochprozentigen Spirituosen sank kontinuierlich. 2008 stieg die Familie Berentzen komplett aus dem Unternehmen aus, ihre letzten Anteile gingen an die Aurelius AG. Nur ein Jahr später verstarb der Apfelkorn-Erfinder Friedrich Berentzen senior im Alter von 80 Jahren.
Neustart mit Mineralwasser endet erneut in der Krise
Die Söhne Christian und Friedrich versuchten nach der Trennung vom Stammunternehmen einen Neuanfang. 2017 übernahmen sie die Rhenser Mineralbrunnen GmbH und führten sie erfolgreich aus einer ersten Insolvenz. Doch der erneute Aufschwung währte nicht lange. Nun, nur wenige Wochen nach dem Tod des letzten verbliebenen Bruders, steht das Unternehmen erneut vor dem Aus.
Christian Kolb, kaufmännischer Leiter und Prokurist des Unternehmens, nennt gegenüber Medien mehrere Gründe für die aktuelle Insolvenz: „Der hohe Wettbewerbsdruck im Getränkemarkt, gestiegene Transportkosten, anhaltend geringe Margen sowie eine aktuelle Zurückhaltung der Konsumenten haben uns in diese Situation gebracht.“ Dennoch betont er, dass das Ziel die Aufrechterhaltung des Betriebs sei. Die Gehälter der 140 Mitarbeiter seien für die Monate März, April und Mai gesichert.
Traditionelles Familienunternehmen in doppelter Krise
Die Insolvenz der Rhenser Mineralbrunnen GmbH ist nicht die einzige Krise, die die Berentzen-Familie derzeit durchlebt. Auch die Berentzen-Gruppe, das ursprüngliche Stammunternehmen, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Wegen weiter sinkender Nachfrage nach Spirituosen verfehlte das Unternehmen zuletzt seine Umsatzziele um Millionenbeträge.
Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich die Herausforderungen traditioneller Familienunternehmen in der modernen Getränkebranche. Was einst mit einem Kultgetränk begann, das ganz Deutschland eroberte, endet nun mit einer doppelten Tragödie: dem Verlust zweier Brüder und dem möglichen Ende eines 164 Jahre alten Unternehmensstandorts in Rheinland-Pfalz.



