Betrugsverdacht bei Heraeus: Edelmetall-Recycling unter Beschuss der Staatsanwaltschaft
Betrugsverdacht bei Heraeus: Edelmetall-Recycling in der Kritik

Betrugsverdacht bei deutschem Edelmetall-Riesen: Heraeus unter Ermittlungsdruck

Ein Whistleblower hat einen der größten deutschen Technologiekonzerne in erhebliche Bedrängnis gebracht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt aktuell gegen Mitarbeiter des milliardenschweren Familienunternehmens Heraeus. Der zentrale Vorwurf lautet: Über einen Zeitraum von Jahren sollen Edelmetalle, die eigentlich Kunden gehörten, nicht vollständig gutgeschrieben, sondern stattdessen behalten worden sein.

Ermittlungen mit schwerwiegenden Vorwürfen

Bereits im Januar hatte die Financial Times über den Fall berichtet, nun hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen offiziell bestätigt. Es geht um schwere Straftatbestände wie Unterschlagung sowie gewerbs- und bandenmäßigen Betrug. Insgesamt werden 16 aktuelle und frühere Mitarbeiter des Konzerns untersucht, darunter auch Führungskräfte. Die Ermittlungen laufen laut Behördenangaben seit Juni 2025 und konzentrieren sich auf die Heraeus-Tochter Precious Metals.

Der mögliche finanzielle Schaden ist beträchtlich: Heraeus selbst hat bereits 457,7 Millionen Euro für Risiken zurückgestellt. Im Geschäftsbericht weist der Konzern Edelmetalle im Wert von rund 150 Millionen Euro aus, die zumindest teilweise Kunden gehören könnten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

So soll das System funktioniert haben

Beim Recycling von Edelmetallen bleiben regelmäßig Reste in den Maschinen zurück. Diese Rückstände müssten eigentlich den Kunden gutgeschrieben werden – genau dieser Schritt soll über Jahre hinweg nicht vollständig erfolgt sein. Betroffen sein sollen vor allem hochwertige Industriemetalle wie Platin, Palladium und Rhodium, die in Schmelzöfen recycelt werden. Der mutmaßliche Betrugszeitraum erstreckt sich von 2015 bis 2025.

Reaktion des Konzerns und historischer Hintergrund

Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber Medien, man habe Unregelmäßigkeiten im Recycling-Prozess zum Nachteil von Kunden festgestellt. Heraeus habe aus eigener Initiative die zuständigen Behörden informiert und kooperiere uneingeschränkt mit den Ermittlern. Betroffene Kunden seien bereits entschädigt worden.

Heraeus ist einer der bedeutendsten Industriekonzerne Deutschlands mit einem Umsatz von 29 Milliarden Euro im Jahr 2024. Das Familienunternehmen mit Sitz in Hanau blickt auf eine lange Geschichte zurück: Es geht auf eine Apotheke aus dem Jahr 1660 zurück. Heute entwickelt der Konzern Spezialmaterialien, Medizintechnik und Edelmetalllösungen und gehört weltweit zu den führenden Anbietern im Handel und Recycling von Edelmetallen.

Der Fall wurde durch einen internen Hinweis ausgelöst: Ein Whistleblower wandte sich direkt an das Unternehmen, was die internen Untersuchungen und schließlich die Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden zur Folge hatte. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt dauern an und könnten noch weitere Details zu den mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten im Edelmetall-Recycling zutage fördern.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration