Bayerns Brauer-Chef: „Eine Kiste Bier sollte 25 Euro kosten“
Brauer-Chef: „Kiste Bier sollte 25 Euro kosten“

Georg Schneider (60) von Schneider Weisse aus Kelheim gibt nach zehn Jahren den Vorsitz des Bayerischen Brauerbundes ab. Der 60-Jährige, der zuletzt mit kontroversen Vorschlägen wie einem Eintrittspreis für die Wiesn oder Kritik am Dry January auffiel, übergibt im Mai das Amt. Im Gespräch mit der AZ blickt er zurück auf eine bewegte Amtszeit, spricht über steigende Bierpreise und verrät, warum er künftig im Allgäu zu finden sein wird.

Abschied nach zehn Jahren: „Eine Zäsur in meinem Brauer-Leben“

Georg Schneider übergab 2025 sein Familienunternehmen Schneider Weisse an seinen Sohn. Nun folgt der nächste Schritt: Er legt das Amt des Brauerbund-Präsidenten nieder. „Bei Ehrenämtern braucht es immer wieder einen Wechsel an der Spitze“, erklärt er. Eigentlich wäre die Neuwahl schon 2025 fällig gewesen, doch der designierte Nachfolger Christoph Kämpf aus Straubing verstarb überraschend. „Das war sehr dramatisch. Deswegen habe ich mein Ehrenamt um ein Jahr verlängert.“ Nun beginnt ein neues Kapitel: Schneider wird mit seiner Frau das Hotel Post in Nesselwang im Allgäu führen, ein kleines Hotel mit 20 Zimmern. „Ich bin der Hausl“, lacht er.

Krisenmodus als Dauerzustand

Auf die vergangenen zehn Jahre blickt Schneider gemischt zurück. „Es war immer schwierig. Das fing mit der Feier zu 500 Jahre Reinheitsgebot an, die wegen des Attentats am Olympia-Einkaufszentrum abgebrochen wurde. Später kamen Corona, der Ukraine-Krieg mit der Energiekrise und der Wegfall des Russland-Geschäfts. Ich kam als Präsident nicht aus dem Krisenmodus heraus.“ Dennoch glaubt er nicht an eine finale Krise der Brauwirtschaft. „Bier ist ein fröhliches Produkt, das die Menschen zusammenbringt. Der Mensch kann nicht dauerhaft im Griesgram leben.“

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Bierpreis: 25 Euro pro Kiste als Ziel

Schneider fordert seit langem höhere Bierpreise. „Bei einem mittelständischen Unternehmen müsste die Kiste Bier mindestens 25 Euro kosten.“ Doch der Wettbewerb sei groß: „In Bayern gibt es knapp 600 Brauereien mit unterschiedlichen Konzepten. Es gibt Biere für fünf Euro pro Kiste, die über Menge und billige Rohstoffe gehen. Der Bierpreis ist ein imaginärer Preis, der das Wert-Kosten-Verhältnis nicht abbildet.“ Steigende Energiepreise und der demografische Wandel setzen die Branche unter Druck. „Menschen in meinem Alter werden mehr. Früher war man nach drei, vier Maß am nächsten Tag fit, heute wird es nach der zweiten schwierig.“

Dry Januar und Oktoberfest: Klare Worte zum Abschied

Kritik übt Schneider am „Dry January“, den die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach bewarb. „Wir haben in Bayern eine Fastenzeit. Wir brauchen keinen amerikanischen Begriff für etwas, was es schon lange gibt. Der Dry January fällt in die Faschingszeit – da sollte man Gas geben und dann die Fastenzeit ernst nehmen.“ Auch seine Forderung nach einem Eintrittspreis für die Wiesn verteidigt er: „Viele Kosten werden übers Bier kalkuliert. Wenn der Bierkonsum zurückgeht, muss man überlegen, wie man steigende Kosten finanziert. Es ist Blödsinn, wenn die Maß auf dem Volksfest bald so viel kostet wie eine ganze Kiste im Getränkemarkt.“

Zukunft der Brauereien: Kooperation statt Alleingang

Schneider prognostiziert, dass die Zahl der Braustätten in Bayern schrumpfen wird. „Braustätten mit Sicherheit, ja. Zusammenarbeit wird ein großes Thema. Es ergibt keinen Sinn, dass sich jeder eine eigene Abfüllanlage oder einen Fuhrpark leistet.“ Bei Schneider Weisse selbst gab es jüngst Zukäufe: Die Weltenburger Brauerei in Kelheim und die Marke Bischofshof in Regensburg wurden übernommen. „Wir wollen keine ausländischen Großkonzerne, sondern eine bayerische Lösung. Bei Weltenburger wird nichts groß verändert, der Braumeister bleibt. Bischofshof sehen wir als lokale Marke für Regensburg.“

Trotz aller Herausforderungen blickt Schneider optimistisch in die Zukunft: „Bier ist etwas Fantastisches. Wir werden damit auch in die Zukunft gehen, auch wenn es Wellenbewegungen gibt.“

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