Die Bundesregierung gibt ihren Widerstand gegen die Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit auf und bereitet stattdessen Forderungen für mögliche Gespräche vor. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach verschiebt sich der Fokus Berlins weg vom Versuch, die Transaktion zu verhindern, hin zur Frage, unter welchen Bedingungen sie stattfinden könnte. Ein konkreter Gesprächstermin zwischen den Parteien sei allerdings bislang nicht festgesetzt.
Wichtige Forderungen: Mittelstand und Börsennotierung
Zu den wichtigsten Forderungen der Bundesregierung gehört den Insidern zufolge, die Rolle der Commerzbank als Finanzierungspartner des deutschen Mittelstands zu sichern. Ein Fokus liegt dabei auf dem internationalen Netzwerk der Bank und ihrem Handelsfinanzierungsgeschäft. Berlin verlangt außerdem Garantien, dass die Commerzbank weiterhin eigenständig an der Börse notiert bleibt und dass Frankfurt auch nach einer Übernahme ein bedeutender Standort des Instituts bleibt.
Ein Sprecher der Bundesregierung reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Vertreter von UniCredit und Commerzbank wollten sich zum Thema nicht äußern.
Kurswechsel in Berlin
Der entschiedene Widerstand Berlins gegen die Übernahme war bislang eines der größten Hindernisse für UniCredit-Chef Andrea Orcel, der vor knapp zwei Jahren die ersten Commerzbank-Anteile kaufte und seitdem immer weiter aufgestockt hat. Inzwischen hat die Bundesregierung ihre Rhetorik abgeschwächt. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte diese Woche, dass die Aktionäre und nicht die Politik über das Geschick der Bank entscheiden sollten.
Nach Abschluss des Übernahmeangebots hatte UniCredit einen Anteil von knapp unter 50 Prozent an der Commerzbank gemeldet. Es wird voraussichtlich noch bis zum Jahr 2027 dauern, bis die italienische Bank die Aktien in ihren Besitz nehmen kann, da die Europäische Zentralbank (EZB) dafür den Kauf noch genehmigen muss. Auf einer Hauptversammlung hätte die UniCredit mit diesen Stimmen die Mehrheit. Die Italiener könnten etwa den derzeitigen Commerzbank-Vorstand entlassen.
Berlin konzentriert sich auf Absicherung der Interessen
Vor diesem Hintergrund hat Berlin den Kreisen zufolge weitgehend akzeptiert, dass sie kaum Möglichkeiten hat, eine Kontrolle der Commerzbank durch UniCredit zu verhindern. Nun konzentriert sich die Bundesregierung darauf, ihre wichtigsten Interessen im Zusammenhang mit der Bank abzusichern. Merz hatte am Mittwoch erklärt, er lehne die Übernahme nicht grundsätzlich ab, bekräftigte aber zugleich seinen Unmut über die Art und Weise, wie UniCredit den Einstieg vorangetrieben habe. Außerdem hob er die Bedeutung der Commerzbank für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft hervor.
UniCredit strebt dem Vernehmen nach direkte Gespräche mit der Bundesregierung an und ist bereit, Zugeständnisse zu machen, um die Transaktion voranzubringen. Die Bank sei bereit, Zusagen zur Unterstützung deutscher Unternehmen abzugeben, insbesondere des Mittelstands, hieß es.
Stellenabbau und Preis als weitere Knackpunkte
Nach den bisher veröffentlichten Plänen von UniCredit soll das weit verzweigte internationale Filialnetz der Commerzbank verkleinert und das Geschäft stärker auf Deutschland und Polen ausgerichtet werden. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat erklärt, dieser Plan würde das Geschäftsmodell der Bank beschädigen. UniCredit hatte angekündigt, im Falle einer Übernahme bis zu 7.000 Stellen streichen zu wollen. Diese Pläne haben Kritik von Arbeitnehmervertretern ausgelöst, die bei der Commerzbank erheblichen Einfluss besitzen.
Garantien für einen weitgehenden Erhalt der Beschäftigtenzahl hätten für die Bundesregierung dem Vernehmen nach eine etwas geringere Priorität in möglichen Gesprächen. Allerdings würde Berlin darauf drängen, dass UniCredit betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Zu weiteren möglichen Forderungen Berlins gehört ein höherer Angebotspreis. Die Bundesregierung hatte den von UniCredit angebotenen Übernahmepreis in der Vergangenheit als zu niedrig zurückgewiesen, da er Aktionären praktisch keine Prämie bot.
Ungewisse Zukunft des Staatsanteils
Unklar ist weiterhin, ob und wann Berlin bereit wäre, den Staatsanteil von rund 12 Prozent an der Commerzbank zu veräußern. Falls die UniCredit innerhalb von zwölf Monaten nach Ablauf des Übernahmeangebots Commerzbank-Aktien zu höheren Preisen kauft als dem Angebotspreis aus der Übernahmeofferte, müsste sie diejenigen Investoren entschädigen, die das Angebot angenommen hatten. Der künftige Hauptsitz von UniCredit in Deutschland hat nach Angaben informierter Kreise weder für UniCredit noch für Berlin hohe Priorität. Der Deutschlandsitz der Bank befindet sich derzeit in München. Andrea Orcel hat ausgeschlossen, den Konzernsitz von UniCredit aus Italien heraus zu verlegen.



