KI und Niedlichkeit: Chinas Sexspielzeug-Branche erlebt Aufschwung auf API Expo
Chinas Sextoy-Branche: KI und Niedlichkeit im Trend

KI und Niedlichkeit prägen Chinas Sexspielzeug-Messe in Shanghai

Die Adult Product Industry Expo (API Expo) in Shanghai hat sich als eine der bedeutendsten Messen für Sexspielzeuge und Erwachsenenprodukte etabliert. Dies liegt maßgeblich an Chinas zentraler Rolle in dieser globalen Branche. Zum Eröffnungstag der Veranstaltung in der ostchinesischen Metropole präsentierten zahlreiche chinesische und internationale Unternehmen die neuesten Trends und Innovationen.

Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie

„Das Schlüsselwort ist KI“, betonte Messeorganisator Pan Chunhui deutlich. In immer mehr Produkten werde Künstliche Intelligenz integriert, wodurch diese intelligenter und menschenähnlicher würden. Der Trend gehe eindeutig dahin, Sexpuppen durch KI-Funktionen realistischer zu gestalten und Interaktionsmöglichkeiten zu erweitern.

Neben hochtechnologischen Puppen zeigte die Messe eine breite Palette von Sexspielzeugen. Das Spektrum reichte von niedlich und unschuldig gestalteten Früchten über Fantasy-Produkte bis hin zu politisch inspirierten Artikeln wie einem Dildo mit dem Konterfei von Ex-US-Präsident Donald Trump. Ergänzt wurde das Angebot durch Drogerieartikel wie Gele sowie durch verführerische Kostüme und Dessous.

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China als globale Produktionsdrehscheibe

Der Markt für Erwachsenenprodukte ist ein Milliardengeschäft, bei dem China als wichtigstes Herstellungsland gilt. „Der chinesische Markt spielt in diesem Bereich weiter die Rolle der Fabrik der Welt“, analysiert Finanzexperte Guo Shiliang von der Online-Plattform Jing. Diese dominante Position bestätigt auch Christoph Schobert, Produktleiter beim Sexspielzeug-Anbieter Lovehoney: „China ist als Produktionsstandort aus unserer Lieferkette nicht wegzudenken.“

Allerdings sieht Schobert bei KI-gesteuerten Sexpuppen aufgrund der aktuell noch hohen Preise begrenztes Potenzial. „Als große, menschenechte Puppen glaube ich, dass wir da noch einige Jahre vor uns haben, bis das irgendwo zu Hause steht“, schätzt er ein. Stattdessen identifiziert er zwei weitere Trends: Einerseits wachse der Markt für männliche Kunden weiter, andererseits gewännen niedlich gestaltete Produkte an Bedeutung, die weniger explizit erotisch wirken und sich daher leichter in sozialen Medien bewerben lassen.

Einfluss japanischer Popkultur und gesellschaftlicher Wandel

Die Branche orientiert sich stark an Japans Popkultur, was sich in Sexpuppen im Manga-Stil zeigt. Für diese Nischenprodukte gewinnt KI besondere Relevanz. „Wir integrieren KI-Sprachfunktionen, damit Kunden über KI mit unseren Puppen interagieren können“, erklärt Lin Guanzhi, Chef der Manga-Sexpuppenfirma Elsa Babe. Mit dieser Technologie ließen sich Fantasien der Menschen in die Realität umsetzen.

Der Aufschwung der Branche fällt in eine Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen in China. Trotz der Aufhebung der Ein-Kind-Politik vor einem Jahrzehnt erreichte die Geburtenrate ein Rekordtief, während gleichzeitig ein signifikanter Männerüberschuss entstand. Diese demografische Entwicklung spiegelt sich im Sexspielzeugmarkt wider, der sich neben Puppen besonders mit sogenannten Masturbatoren an männliche Kunden richtet.

Vom Tabu zum Mainstream: Die Entwicklung in China

Obwohl China mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern einen riesigen potenziellen Markt bietet, war das Land lange Zeit schwierig für Erwachsenenprodukte. Sex und Liebesspielzeug galten als Tabuthemen und waren mit Scham behaftet. Erst Anfang der 1990er Jahre eröffnete der erste Sexshop in Peking, und 2003 lockerte die regierende Kommunistische Partei die Regelungen, indem sie Erwachsenenprodukte nicht mehr als besondere Waren einstufte.

Seitdem haben sich Ladenanzahl und Verkaufszahlen deutlich erhöht. Die Branche nimmt eine wachsende Akzeptanz in der Bevölkerung wahr, wobei der Online-Handel eine Schlüsselrolle spielt. Die chinesische Analyse-Plattform iiMedia schätzt den Wert des Online-Handels mit Erwachsenenprodukten für 2025 auf 134,85 Milliarden Yuan (etwa 16,8 Milliarden Euro). Besonders wichtig sind Kunden dabei Produktbeschaffenheit, Privatsphäre beim Kauf und Funktionalität.

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Regierungspolitik und zukünftige Entwicklungen

Parallel zum Aufschwung der Sexspielzeug-Branche verzeichnet China niedrige Heiratsraten und ein zunehmendes Alterungsproblem der Gesellschaft. Junge Menschen entscheiden sich häufiger für ein Single-Leben statt für die Ehe. Die Regierung in Peking reagierte bereits mit Maßnahmen wie der Aufhebung der Steuerbefreiung für Kondome zu Jahresbeginn und kündigte Wohnungsunterstützung für Frischvermählte und Familien mit erstem Kind an.

Die API Expo bleibt dabei eine reine Produktmesse ohne die auf anderen Erotikmessen üblichen Entertainment-Stars. In China ist die Produktion und Verbreitung von Pornografie nach wie vor illegal und kann mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Dennoch zeigt die Entwicklung der Branche, wie sich gesellschaftliche Tabus allmählich auflösen und neue Technologien wie Künstliche Intelligenz auch in diesem sensiblen Bereich Einzug halten.