Deutsche Bank schließt PalaisPopulaire: Ende einer Kunstära in Berlin
Deutsche Bank schließt PalaisPopulaire in Berlin

Die Deutsche Bank schließt mit dem PalaisPopulaire ihren Kunststandort in Berlin. Das gab das Institut am Donnerstag bekannt. Im ehemaligen Prinzessinnenpalais Unter den Linden war nach dem Umbau zur Kunsthalle durch das Architekturbüro KuehnMalvezzi zuvor das Operncafé aus DDR-Zeiten untergebracht. Nach knapp drei Jahrzehnten enden damit die eigenen Ausstellungsaktivitäten der Bank in Berlin.

Neue Strategie: Mehr Kooperationen und junge Künstler

Für das Publikum mag die Schließung überraschend kommen, doch die Deutsche Bank stellt den Schritt als strategische Neuausrichtung dar. „Fortan sollen junge Künstler mehr gefördert werden, wir wollen die Kooperationen mit Partnerinstitutionen stärken“, begründet Britta Färber, Leiterin Kunst und Kultur der Deutschen Bank in Frankfurt, die Entscheidung im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Die Bank will ein neues Exzellenz-Programm auflegen, um junge Kunstschaffende aus Berlin bei der Professionalisierung zu unterstützen.

Acht Jahre lang bespielte die Deutsche Bank die 750 Quadratmeter große Ausstellungsfläche im PalaisPopulaire und behielt im Erdgeschoss die Gastronomie bei. Allerdings fanden die Präsentationen in den niedrigen Räumen nur selten zurück zu den großartigen Schauen, mit denen sich die Bank zuvor im Stammhaus Unter den Linden einen Namen gemacht hatte. Insbesondere während der Kooperation mit dem New Yorker Guggenheim Museum zwischen 1997 und 2012, als die Kunsthalle unter dem Namen Deutsche Guggenheim firmierte, zeigte das Bankhaus spektakuläre Ausstellungen von James Rosenquist, Jeff Koons oder Helen Frankenthaler.

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Ausstellungen im PalaisPopulaire: Kleinteilig und gedrängt

Auf der um ein Drittel erweiterten Stellfläche des PalaisPopulaire wirkten die Präsentationen ab 2018 eher kleinteilig und häufig gedrängt. Die Bank zeigte vornehmlich ihre eigene Sammlung unter verschiedenen Aspekten. Eine Ausnahme bildete die großartige Schau des britischen Videokünstlers Isaac Julian, die durch eine Kooperation mit dem Sammler Heiner Wemhöner zustande kam. Eine Besonderheit waren stets die Ausstellungen des „Artist of the Year“. Mit der Tschechin Lucia Tallová, die von den Direktoren des Hamburger Bahnhofs, Sam Bardaouil und Till Fellrath, für 2026/27 benannt ist, schließt das PalaisPopulaire seine Türen. Auf der Website ist die Ausstellung noch vom 10. September bis 4. Januar 2027 angekündigt.

Abschiedsfest und Zukunft der Sammlung

Am 19. November gibt es zum Abschied ein großes Festival mit allen Berliner Kooperationspartnern, „um zu feiern, was erfolgreich am PalaisPopulaire war“, so Britta Färber. Die allein in Berlin 2000 Werke umfassende Sammlung des Bankhauses soll fortan an verschiedenen Orten erlebbar sein und sich „so für ein breiteres Publikum öffnen“. Beibehalten wird die Gesprächsreihe „In conversation with“ am Hamburger Bahnhof, dem weiterhin Leihgaben der Firmensammlung zur Verfügung stehen. Auch die Zusammenarbeit mit den Philharmonikern, etwa beim Education Programm, die seit 1989 besteht, bleibt unangetastet, ebenso das Komponisten-Fellowship an der American Academy.

Signal an Vermieter Döpfner

Die überraschende Ankündigung dürfte auch ein Signal an den Vermieter Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel Springer Verlags, sein. Der Vertrag läuft regulär aus. An Döpfner richten sich nun große Erwartungen, was als Nächstes an der prominenten Adresse passiert. Für viele Berliner und Touristen stellt sich zudem die Frage, ob die Verweilqualität auf der Terrasse und die kulinarische Versorgung erhalten bleiben.

Der DB-Pressesprecher Klaus Winker erklärte die Neuerungen im Kunstbereich vor allem mit größerer Flexibilität, mehr Freiräumen und auch den Kosten. Im oberen Geschoss des PalaisPopulaire trafen sich die „Berliner Kollegen“ zu internen Veranstaltungen, dort fanden unter anderem Vorstandssitzungen statt. Der Ausflug zur Kunst ist damit gestrichen.

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