Bonn – Die Rechnung kommt per E-Mail, die Geburtstagsgrüße übers Handy – die Briefmenge in Deutschland sinkt immer weiter. Jetzt schlägt DHL-Chef Tobias Meyer (51) Alarm: Der Konzern-Boss hält die tägliche Zustellung klassischer Briefe langfristig nicht mehr für wirtschaftlich – zumindest nicht ohne das Paketgeschäft. Die Folge: Briefe kommen nicht mehr täglich! Die tägliche Zustellung allein von Briefen werde „nicht mehr tragfähig sein“, sagte Meyer im Podcast von „Table.Briefings“.
Der Briefdienst könne dennoch bestehen bleiben, allerdings nur in Verbindung mit dem Paketgeschäft. „Wir werden weiter einen qualitativ hochwertigen Briefdienst anbieten können, aber als Ergänzung des Paketgeschäftes“, so Meyer.
Post macht mit Briefen Minus
Nach Angaben von Meyer ging das Briefvolumen im Jahr 2025 bereits um sieben Prozent zurück. Im ersten Quartal 2026 habe das Minus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar bei 13 Prozent gelegen. Der Rekord-Rückgang hängt allerdings auch mit der Bundestagswahl 2025 zusammen. Durch die Briefwahl wurden damals mehr Briefe befördert, die in diesem Jahr in der Bilanz fehlen.
Auch das Quartalsergebnis der DHL-Gruppe wurde durch sinkende Briefmengen in Deutschland geschmälert. Der Konzern teilte mit, dass sich das Briefgeschäft im ersten Quartal „wie erwartet rückläufig und ergebnisbelastend“ entwickelt habe. Zwar wurden mehr Pakete verschickt. Doch das konnte die rückläufigen Briefmengen und die gestiegenen Kosten für Transport und Personal nicht vollständig ausgleichen.
Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit betonte der DHL-Chef, dass die aktuellen Preise nur durch die enge Verbindung von Brief- und Paketgeschäft möglich seien. Heißt: Wenn es das Paketgeschäft nicht gäbe, müssten Briefe noch teurer werden. Dazu passt: Voraussichtlich zum 1. September wird das Unternehmen auch offiziell den Namen „Post“ ablegen und in DHL umbenannt. Das war bisher nur der Markenname, rechtlich blieb es die Deutsche Post AG.



