Elke Knorr (72) warnt vor Selbstständigkeit: „Würde es meiner Tochter nie erlauben“
Elke Knorr warnt vor Selbstständigkeit: „Nie wieder“ (18.03.2026)

Traurige Bilanz einer Unternehmerin: Elke Knorr (72) rät von Selbstständigkeit ab

Elke Knorr sieht man ihre 72 Jahre nicht an. Die Arbeit in ihrer Firma für Büro- und Kopiersysteme hält sie jung, doch die Selbstständigkeit hat für die dreifache Mutter aus der Uckermark auch ihre dunklen Schattenseiten. Obwohl sie längst Rentnerin ist, fährt sie noch jeden Tag ins Büro – und versichert mit Nachdruck: „Ich würde mich nie wieder selbstständig machen.“

Start mit Aufbruchstimmung nach der Wende

Kurz nach der Wende, im Jahr 1991, krempelte Elke Knorr die Ärmel hoch und startete voller Elan ins Unternehmerdasein. „Es herrschte so eine tolle Aufbruchstimmung damals“, erinnert sie sich. „Wir dachten für einen Moment, dass wir alles schaffen können. Mir war nicht klar, worauf ich mich da einlasse.“ Ohne jegliche Kenntnisse der sozialen Marktwirtschaft wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit.

Bitteres Resümee nach mehr als drei Jahrzehnten

Mehr als drei Jahrzehnte später zieht die 72-Jährige ein ernüchterndes Fazit. Nicht nur der Anfang sei schwer gewesen. „Meine Mutter, die mich immer unterstützt hat, kam mit dieser neuen Zeit gar nicht zurecht“, berichtet Knorr. „Sie hat mich anfangs oft gefragt: ‚Wieso bekommst du denn keinen Lohn, es ist doch schon Monatsende?‘“ Die Mutter verstand nicht, dass sich ein Unternehmer nur dann etwas nehmen kann, wenn etwas da ist – und gerade am Anfang gab es tausend Dinge, die bezahlt werden mussten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Trotz aller Schwierigkeiten hielt Elke Knorr durch, immer an der Mindestlohngrenze entlang schrammend. Sie schuf Arbeitsplätze, bediente Kunden und zahlte Steuern. „Es gelang mir sogar, eine bescheidene Pensionszusage für mich anzusparen“, erklärt sie. „Die belastet die Firma aber jetzt und macht sie quasi unverkäuflich.“

Arbeiten für die eigene Pension – zweimal

Obwohl sie längst das Rentenalter erreicht hat, steht Elke Knorr weiter Tag für Tag im Geschäft, um ihre aktuell noch acht Angestellten nicht arbeitslos zu machen. „Und der ganze Hohn der Geschichte ist, dass ich mir jetzt sogar monatlich meine Pensionszusage nehmen darf – für die ich ja schon mal gearbeitet habe“, echauffiert sie sich. „Nicht zusätzlich zum Lohn, sondern als Teil des Lohnes. Welcher Beamte würde mit 70 für seine Pension noch einmal arbeiten gehen?“

Während Arbeitnehmer 2000 Euro steuerfrei dazuverdienen können, arbeite sie für ihre Rente praktisch zweimal. „Ich würde mich nie wieder selbstständig machen und das auch niemandem raten“, betont die Unternehmerin nachdrücklich.

Warnung an die eigene Tochter

Eine ihrer Töchter sei zwar aktuell noch mit im Betrieb tätig: „Aber die Firma zu übernehmen, davon rate ich ihr dringend ab. Das würde ich ihr nie erlauben, auch im Interesse ihrer eigenen Kinder nicht.“ Denn das Unternehmertum habe in diesem Staat keine Lobby, ist Elke Knorr überzeugt.

Sie führt konkrete Beispiele an: „Meine Mitgliedschaft in der AOK kostet mich beispielsweise fast 800 Euro pro Monat. Da ich nicht privat versichert bin, sondern freiwillig gesetzlich, ‚darf‘ ich sogar auf die bescheidenen Mieteinnahmen von meinem, auch von mir selbst bewohnten alten Haus aus dem Jahr 1927, das ich von meinem Vater geerbt habe, noch Krankenkassenbeiträge bezahlen!“

Gewöhnung an die Sparsamkeit

Sie habe sich wohl oder übel an die Sparsamkeit gewöhnt, bestätigt Elke Knorr ernüchtert. „Pensionszusage und Mieteinnahmen dienen heute dazu, Abgaben für Krankenkasse und Finanzamt zu generieren, damit es unseren Politikern und allen Bürgergeldempfängern gut geht!“

Rückblickend betrachtet ist die 72-Jährige überzeugter denn je, dass sie so einen Schritt nie wieder gehen und vor allem „meiner Familie das nie wieder antun würde“. Aus ihrem Umfeld wisse sie, dass viele Unternehmer so denken, vor allem im Osten: „Die im Westen halten Krisen schon mal eher durch, weil da mehr finanzieller Rückhalt ist. Wir hier in den neuen Bundesländern sind hingegen damals ja quasi bei Null gestartet. Das rächte sich schnell.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration