Trauriger Moment für Traditionsunternehmen: Endress-Gruppe meldet Insolvenz an
Mitten in der beginnenden Gartensaison trifft die Insolvenzwelle ein weiteres traditionsreiches Familienunternehmen: Die Endress Motorgeräte GmbH mit Sitz in Stuttgart und ihre Schwestergesellschaft Endress Bayern GmbH in München haben am 4. März Insolvenzanträge beim Amtsgericht Stuttgart gestellt. Von der Pleite sind insgesamt 260 Mitarbeiter in 20 Filialen in Süddeutschland betroffen.
Über 70-jährige Firmengeschichte endet vorerst
Seniorchef Ulrich Endress bezeichnete diesen Schritt in einer Mitteilung an die Belegschaft als den „traurigsten Moment in der über 70-jährigen Firmengeschichte unseres Familienunternehmens“. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis in die Nachkriegszeit zurück, als sein Vater Hans im Schwarzwald mit dem Vertrieb von Kettensägen begann. Daraus entwickelte sich über Jahrzehnte ein erfolgreicher Fachhandelsverbund für Forst- und Gartentechnik mit Filialen, Werkstätten und einem eigenen Onlinehandel.
Billigkonkurrenz aus Fernost als Hauptproblem
„Trotz unseres über einjährigen Kampfes ums Überleben haben wir es nicht geschafft, die Insolvenz zu verhindern“, erklärte Ulrich Endress gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Der Seniorchef machte vor allem die aggressive Billigkonkurrenz aus Fernost für die Misere verantwortlich. Chinesische Hersteller hätten mit günstigen Akkugeräten den Markt überschwemmt, gegen die das Stuttgarter Unternehmen nicht mehr konkurrieren konnte: „Da haben wir keine Chance“, so Endress.
Zerrieben zwischen Preisdruck und hohen Kosten
Der Mittelständler wurde nach Unternehmensangaben zwischen massivem Preisdruck und gleichzeitig hohen Fixkosten zerrieben. Die Lager waren voll mit hochwertigen Produkten renommierter Hersteller wie Stihl, Husqvarna, John Deere oder Honda, doch die Nachfrage blieb verhalten. Zwar hatten einige Lieferanten den Händlerverbund mit Warenrücknahmen unterstützt, doch die allgemein schwache Konjunktur erholte sich nicht ausreichend.
Hoffnung auf Erhalt einiger Standorte
Nun besteht die Hoffnung, dass zumindest die tragfähigsten der 20 Standorte erhalten bleiben können. Zu den betroffenen Filialen gehören unter anderem Standorte in Ulm, Nürnberg, Pfaffenhoffen, Weilheim und Schwäbisch Hall. Die insgesamt 260 Mitarbeiter wurden über die Situation informiert und erhalten für die kommenden drei Monate Insolvenzgeld in Höhe ihrer bisherigen Nettolöhne.
Die Insolvenz der Endress-Gruppe markiert einen weiteren Rückschlag für den deutschen Mittelstand und zeigt die Herausforderungen, mit denen traditionelle Fachhändler im Zeitalter globaler Billigkonkurrenz konfrontiert sind.



