Unternehmen in MV und Brandenburg lehnen 1000-Euro-Prämie ab
Firmen in MV und Brandenburg gegen 1000-Euro-Prämie

Eine steuer- und abgabenfreie Prämie von bis zu 1000 Euro sollte Arbeitnehmer angesichts steigender Preise infolge des Iran-Kriegs entlasten. Was die Bundesregierung als großen Wurf feierte, stoppten die Bundesländer im Bundesrat. Bereits in der Coronazeit konnten Arbeitgeber ähnliche Boni zahlen. Geplant war, dass die Prämie als Betriebskosten steuerlich absetzbar ist. Doch Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg kritisieren, dass die Entlastung der Bürger an ihnen hängen bleibe.

1000-Euro-Prämie: Unternehmen verweisen auf Mehrbelastungen

Der Büromöbelhersteller Palmberg mit Sitz im westmecklenburgischen Schönberg prüfe die Regelung sorgfältig, werde jedoch keine vorschnellen Zusagen machen, teilt die Geschäftsführung mit. „Für Palmberg würde eine solche Prämie einen Gesamtaufwand von rund 600.000 Euro bedeuten. Hinzu kommen bereits absehbare Mehrbelastungen von rund 900.000 Euro, sofern sich der aktuelle Dieselpreis im Laufe des Jahres nicht deutlich entspannt.“ Hinter dem Unternehmen liegt ein herausforderndes Jahr 2025. Trotz schwieriger Marktbedingungen investierte das Familienunternehmen 5,4 Millionen Euro, der Jahresumsatz ging jedoch um zehn Prozent auf 124,3 Millionen Euro zurück.

„Lage vieler mittelständischer Betriebe verschärft sich weiter“

Zu den Plänen der Bundesregierung heißt es von Palmberg: „Grundsätzlich ist jede Unterstützung für Beschäftigte sehr wichtig. Was wir jedoch kritisch sehen: Der Bundesregierung ist die angespannte Lage vieler mittelständischer Betriebe sehr genau bekannt – und sie verschärft sich weiter.“ Die deutschen Amtsgerichte registrierten 2025 insgesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen – ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber 2024. Auch im Januar 2026 gab es 4,9 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahresmonat. „Vor diesem Hintergrund wirkt eine Maßnahme, die politisch gut klingt, deren Umsetzung und Finanzierung aber vollständig auf die Unternehmen verlagert wird, wie ein symbolisches Instrument“, so die Geschäftsführung.

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Die Industrie- und Handelskammern in MV bewerten die Möglichkeit als „realitätsfern“. „Die Prämie senkt weder Energie- noch Betriebskosten und kann gerade in der aktuellen wirtschaftlich angespannten Lage von vielen Betrieben nicht geleistet werden“, sagt Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock.

Unternehmen für steuerfreie Überstunde statt Einmalprämie

Palmberg unterstützt seine Beschäftigten bereits mit monatlichen Tankgutscheinen für die Fertigung und einem Homeoffice-Modell mit zwei Tagen pro Woche für Büroangestellte. Statt einer Einmalprämie spricht sich die Geschäftsführung für eine steuerfreie Überstunde aus. „Eine seit Langem diskutierte steuerfreie Überstunde wäre ein deutlich zielführenderer Ansatz: Sie würde Mehrarbeit wieder lohnenswert machen, leistungsbereite Beschäftigte konkret entlasten und gleichzeitig Unternehmen helfen, Auftragsspitzen flexibel abzufangen – ohne zusätzliche Fixkosten oder pauschale Verpflichtungen.“

Avebe setzt auf tarifliche und betriebliche Vereinbarungen

Auch der Brandenburger Arbeitgeber Avebe Kartoffelstärkefabrik Prignitz/Wendland in Dallmin geht andere Wege. Das Unternehmen prüfe Personalthemen grundsätzlich im Rahmen bestehender tariflicher und betrieblicher Vereinbarungen. „Eine zusätzliche pauschale Zahlung von 1.000 Euro ist derzeit nicht vorgesehen. Hintergrund ist, dass Entgeltanpassungen und Sonderzahlungen bei Avebe über verlässliche, tariflich geregelte Instrumente erfolgen. Diese greifen bereits und stellen für die Mitarbeiter eine planbare und faire Unterstützung dar“, so Pressesprecher André Bense. Einmalzahlungen außerhalb dieses Rahmens würden aktuell nicht weiterverfolgt.

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Der Bauernbund Brandenburg lehnt die Prämie drastisch ab. „Die 1000-Euro-Prämie ist ein Witz – woher sollen die Betriebe sie nehmen, wenn sie durch die Preissteigerungen in die Verlustzone geraten? Was unsere Landwirtschaft braucht, ist eine komplette Streichung der Energiesteuer auf Agrardiesel, zumindest vorübergehend. Denn wir können die höheren Kosten nicht weitergeben angesichts des Preisdrucks durch die desaströsen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wofür wiederum die Bundesregierung Verantwortung trägt“, sagt Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds und selbstständiger Mutterkuhhalter aus Lennewitz in der Prignitz.