Gastronomie-Krise verschärft sich: 69.000 Lokale seit 2020 geschlossen
Gastronomie-Krise: 69.000 Lokale seit 2020 geschlossen

Gastronomie in Deutschland: Eine Branche im Abwärtstrend

Die deutsche Gastronomie befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Seit dem Jahr 2020 haben knapp 69.000 Lokale – darunter Restaurants, Cafés, Bars und Gaststätten – ihre Türen für immer geschlossen. Diese alarmierende Zahl geht aus einer aktuellen Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor und verdeutlicht die prekäre Situation einer gesamten Branche.

Insolvenzen erreichen Höchststand

Allein im Jahr 2025 mussten fast 3.000 Gaststätten in Deutschland schließen – so viele wie seit 2011 nicht mehr. Damit stieg die Zahl der Pleiten zum vierten Mal in Folge an, diesmal um knapp 30 Prozent. Insgesamt meldeten von 2020 bis 2025 über 11.200 Restaurants und Bars Insolvenz an. Die hohe Gesamtzahl der Schließungen erklärt sich dadurch, dass viele Inhaber ihre Betriebe aufgaben, bevor es zur formellen Insolvenz kam.

„Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Unternehmen haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Zu den prominentesten Insolvenzfällen gehören bekannte Restaurantketten wie Sausalitos und Vapiano.

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Mehrfachbelastung durch verschiedene Krisen

Während der Corona-Pandemie retteten staatliche Hilfen viele Gastronomen vor dem Aus. Zudem überlebten zahlreiche Betriebe dank eigener Rücklagen und aufgenommener Kredite. Doch mittlerweile sind diese Reserven bei vielen Unternehmen aufgebraucht – und die strukturellen Probleme kehren mit voller Wucht zurück.

Der Creditreform-Forscher nennt mehrere Gründe für die anhaltende Krise:

  • Hohe Personalkosten machen vielen Wirten das Geschäft unmöglich
  • Steigende Preise in Lokalen treffen auf eine sparsame Bevölkerung
  • Immer mehr Gäste lassen sich lieber beliefern statt auszugehen
  • Bei Restaurantbesuchen wird konsumiert: „Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein. Das schlägt auf den Umsatz“

Finanzielle Situation der Betriebe alarmierend

Die wirtschaftliche Lage vieler Gastronomiebetriebe ist besorgniserregend. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegt die Eigenkapitalquote unter 10 Prozent. Ein Drittel aller Gastronomiebetriebe schreibt aktuell Verluste.

Eine YouGov-Befragung aus dem Februar zeigt zudem veränderte Konsumgewohnheiten: 42 Prozent der Befragten verzichten am ehesten auf Kino, Theater, Konzerte und Restaurantbesuche. Bei Lebensmitteln (14 Prozent) oder Bekleidung (29 Prozent) schränken sich deutlich weniger Menschen ein.

Steuersenkung bringt kaum Entlastung

Als Hilfsmaßnahme für die Branche reduzierte die Bundesregierung Anfang 2025 die Mehrwertsteuer auf Essen von 19 auf 7 Prozent. Doch die erhoffte Entlastung blieb aus. Die Gastronomie verzeichnete 2025 bereits das sechste Jahr in Folge Umsatzverluste – seit 2020 geht es kontinuierlich bergab, wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bestätigt.

Die Kosten für Waren, Personal und Energie sind seit 2022 teilweise um bis zu 40 Prozent gestiegen. Viele Wirte nutzen die Steuerersparnis daher, um ihre massiv gestiegenen Kosten auszugleichen – statt die Preise für ihre Gäste zu senken. Das Ergebnis: Die Preise sanken nur minimal. Mitte Februar lag der Preisindex bei 99,6 – verglichen mit 100 im Dezember 2024. Diese Daten ermittelte der Datenspezialist Meoton auf Basis von über 200.000 Preisen aus mehr als 30.000 Restaurants.

Düstere Prognosen für 2026

Experten erwarten für das Jahr 2026 eine weitere Zunahme der Schließungen. „Besonders kleine, inhabergeführte Lokale kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben“, warnt Hantzsch. Vor allem in kleinen Städten und ländlichen Regionen dürfte dieser Wandel sichtbar werden, wo Gaststätten oft nicht nur Wirtschaftsbetriebe, sondern auch wichtige soziale Treffpunkte sind.

Die strukturellen Probleme der Branche sind vielfältig und tief verwurzelt. Während die Pandemie die erste große Krise auslöste, folgten Energiekrise und Inflation in rascher Abfolge. Viele Betriebe haben diese Mehrfachbelastung nicht überstanden. Die Zukunft der deutschen Gastronomie bleibt ungewiss, während weiterhin täglich Lokale schließen müssen.

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