Heinemann Elektroanlagen: Traditionsunternehmen nach gescheiterter Sanierung zum Verkauf
Die Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH, ein traditionsreiches Münchner Unternehmen mit über 120-jähriger Geschichte, befindet sich in einer tiefen Krise. Nachdem das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gescheitert ist, hat der Insolvenzverwalter nun die Aufgabe übernommen, einen neuen Investor für die Firma zu finden. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Unterföhring hat und Gebäude mit Elektrik ausstattet, musste kurz vor Weihnachten Insolvenz anmelden, wodurch 365 Mitarbeiter betroffen sind.
Von der Gründung bis zur Insolvenz
Die Geschichte der Firma begann im Jahr 1902, als Paul Heinemann in der Schießstättstraße in München das „Paul Heinemann Elektrotechnische Werkstätte & Installationsbureau“ gründete. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Unternehmen zu einem bedeutenden Akteur in der Elektrobranche heran. Vor wenigen Jahren beschäftigte die Firma noch 540 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro im Jahr 2020. Aktuell erhalten die Beschäftigten noch ihr Gehalt, wobei für drei Monate Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit gezahlt wird, wie in solchen Fällen üblich.
Gescheiterte Sanierung und neue Hoffnung
Anfangs versuchte sich die einst sehr erfolgreiche Firma in Eigenverantwortung zu sanieren. Das Amtsgericht hatte dem Antrag Anfang Dezember stattgegeben, woraufhin die Geschäftsführung durch restrukturierungserfahrene Anwälte ersetzt wurde. Als Sachverwalter wurde der Münchner Insolvenzexperte Max Liebig eingesetzt. Doch die Eigenverwaltung scheiterte, und das Unternehmen befindet sich nun in einem regulären vorläufigen Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.
Max Liebig, der nun als Insolvenzverwalter agiert, teilte mit, er habe "die Sanierung und Fortführung des Unternehmens übernommen". Er zeigte sich optimistisch: "Der Geschäftsbetrieb wird vollumfänglich unter Einsatz aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fortgeführt und es gibt sehr starke Nachfrage im Investorenprozess, sodass wir auf eine kurzfristige Lösung hoffen." Dies bedeutet, dass ein oder mehrere Käufer für die Firma oder Teile davon gesucht werden und offenbar bereits Interessenten vorhanden sind.
Bedeutende Projekte und finanzielle Schwierigkeiten
In ihrer langen Geschichte war die Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH an zahlreichen bekannten Bauprojekten in und um München beteiligt. Dazu zählen der Ausbau des Terminals 2 am Münchner Flughafen, der Bau des SAP Garden, der Paulaner Brauerei, der Schrannenhalle sowie der Oktoberfestzelte Bräurosl und Hackerzelt. Die finanziellen Probleme des Unternehmens sind unter anderem auf hohe Investitionen im Zusammenhang mit dem Aufbau einer neuen Geschäftssparte für E-Ladetechnik und -infrastruktur zurückzuführen.
Aktuell hat das Unternehmen einen Auftrag von den Stadtwerken München (SWM) für die Sanierung des Olympiaturms, der seit Juni 2024 geschlossen ist und in einem Jahr wieder öffnen soll. Heinemann ist für die Elektrik zuständig. Die SWM wollten sich nicht zu möglichen Verzögerungen oder anderen Aufträgen äußern, mit Verweis auf "die aktuell ungeklärte Situation". Insolvenzverwalter Liebig betonte: "Bezüglich der laufenden Aufträge sind wir im engen Austausch mit den Kunden und prüfen in jedem Einzelfall, inwieweit die Projekte fortgeführt werden können."



