Hohe Spritpreise belasten Tankstellen-Pächter
Die hohen Spritpreise setzen nicht nur Autofahrern zu, sondern auch den Betreibern von Tankstellen. Während die Mineralölkonzerne im Verdacht stehen, sich zu bereichern, spüren die Pächter die negativen Auswirkungen direkt in ihrer Kasse. Die Einnahmen aus dem Shop sind laut Tankstellen-Interessenverband um 30 bis 40 Prozent eingebrochen.
Shop-Verkäufe als Haupteinnahmequelle
Den Großteil ihrer Einnahmen erzielen Tankstellen nicht mit dem Verkauf von Kraftstoff, sondern mit Snacks, Getränken und Süßigkeiten aus dem Shop. Rund 60 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Shop. Die hohen Spritpreise führen zu einer geringeren Kaufbereitschaft, da Kunden aus Sparsamkeit oder Trotz auf Zusatzkäufe wie Coffee-to-Go verzichten.
Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands, beklagt: „Die schlechte Stimmung bei den Kunden führt zu einer geringeren Kaufbereitschaft.“ Viele Tankstellenbetreiber fühlen sich von den Mineralölkonzernen ausgenutzt, da sie weder Einfluss auf die Preispolitik haben noch von den hohen Spritpreisen profitieren.
Kein Einfluss auf Spritpreise
Die Mitarbeiter an der Tankstelle sind oft das Gesicht der Mineralölindustrie, obwohl sie nicht für die Preisgestaltung verantwortlich sind. Sie werden mit dem Unmut der Kunden konfrontiert und müssen sich Abzocke-Vorwürfe anhören. Gleichzeitig sinkt die Kauflust der Kundschaft, was zu Umsatzeinbußen führt.
Die Pachtverträge mit den Mineralölkonzernen sind ähnlich wie Franchise-Verträge und enthalten viele Auflagen. Die Pächter können das Angebot im Shop nicht eigenständig erweitern, um auf die aktuelle Kaufflaute zu reagieren. „Aber wenn wir wirtschaftlich erfolgreich sind, dann wird die Pacht erhöht“, kritisiert Rabl.
Provision bleibt konstant
Die Provision für den verkauften Kraftstoff bleibt unabhängig vom Spritpreis gleich: etwa ein bis zwei Cent pro Liter. Diese Einnahmen machen nur etwa 20 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Weitere 20 Prozent kommen von Dienstleistungen wie Autowäsche. Der größte Teil stammt aus dem Shop.
Viele Tankstellen haben inzwischen die Funktion des Tante-Emma-Ladens übernommen und bieten neben Snacks und Getränken auch Dienstleistungen wie Cafés oder Bäcker an. „Wir als Tankstelle sind systemrelevant“, betont Rabl.
Zukunft der Tankstellen
Der Tankstellen-Interessenverband vertritt 800 Mitglieder, die 1200 Tankstellen betreiben. Die fünf großen Marken Aral, Shell, Esso, Jet und Agip haben zusammen 9000 Tankstellen in Deutschland. Insgesamt gibt es bundesweit 14.500 Tankstellen, deutlich weniger als in den 1970er Jahren. Jährlich werden nur noch 10 bis 15 Tankstellen geschlossen, meist in ländlichen Gebieten.
Rabl ist überzeugt, dass der Wandel zu alternativen Kraftstoffen und E-Antrieben nichts an der Notwendigkeit von Dienstleistungen rund um Mobilität ändern wird. „Der deutsche Markt ist einer der durchoptimiertesten in Europa. Fast alle Tankstellen, die sich nicht rechnen, sind schon weg.“



