DDR-Kult-Süßigkeit Liebesperlen: Vom Ost-Export zum weltweiten Erfolg
Liebesperlen: DDR-Kult-Süßigkeit erobert 25 Länder (24.02.2026)

DDR-Kult-Süßigkeit Liebesperlen: Vom Ost-Export zum weltweiten Erfolg

Kaum eine Süßigkeit weckt so viele nostalgische Erinnerungen wie die bunten Liebesperlen aus Sachsen. Diese süßen Botschafter überstanden nicht nur die Wende, sondern gehören noch immer zu den absoluten Klassikern in den Supermarktregalen. Bereits während der DDR-Zeit exportierten die Hersteller diese beliebte Leckerei in die Bundesrepublik Deutschland, wodurch sie auch in den westlichen Bundesländern bekannt und beliebt wurde.

Emotionale Entstehungsgeschichte

Rudolf Hoinkis legte im August 1896 in Görlitz den Grundstein für die Zuckerperlen, als er eine Süßwarenfabrik gründete. Am Freitag, dem 3. April 1908, brachte er die berühmten Liebesperlen auf den Markt. Der kreative Kopf hinter den Perlen kehrte an diesem denkwürdigen Abend mit seiner neuesten Erfindung – Zuckerperlen ohne Namen – nach Hause zurück. In einem emotionalen Moment wandte er sich an seine Familie und sagte: „Ich liebe euch, wie diese Perlen.“ Seine Frau Emilie griff diesen besonderen Augenblick auf und verlieh der Kreation ihren charakteristischen Namen. Seitdem steht „Liebesperlen“ für diese unverwechselbare Köstlichkeit.

Zeitintensive Herstellung mit Tradition

Der Produktionsprozess der Liebesperlen ist ebenso faszinierend wie zeitaufwendig. Die Hersteller investieren rund 120 Stunden, um die kleinen Zuckerwerke in ihre ikonischen Fläschchen abzufüllen. Dabei verwenden sie spezielle, schräg rotierende Kupferkessel und sprühen gezielt Traubenzucker-Lösungen auf die Zuckerkerne. Schicht für Schicht tragen sie die Lösung auf, bis die charakteristischen, farbenfrohen Perlen entstehen. In jede Babyflasche füllen die Hersteller genau 70 Gramm der beliebten Liebesperlen ab.

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Überlebenskünstler durch politische Umbrüche

Trotz zahlreicher Herausforderungen überstand das Unternehmen sowohl den Ersten als auch den Zweiten Weltkrieg und bewältigte sogar die Phase der staatlichen Enteignung während der DDR-Zeit. Nach der Reprivatisierung des Betriebs im Jahr 1990 nahm die Familie Hoinkis die Geschäfte wieder in die Hand und leitete einen beeindruckenden Wiederaufstieg des Unternehmens ein. Im Jubiläumsjahr 1996, als das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen feierte, verlegte es den Standort in neue, moderne Produktionshallen im Gewerbegebiet Görlitz Nord-West.

Internationaler Erfolg mit 25 Exportländern

Die Hoinkis Werke beschäftigen heute über 20 Mitarbeiter, die jährlich rund 1.200 Tonnen der süßen Nascherei produzieren. Das Unternehmen exportiert seine Produkte inzwischen in 25 Länder auf der ganzen Welt. In Europa, im arabischen Raum und in Südamerika verkauft die Firma ihre beliebten Liebesperlen. Kürzlich entwickelte das Unternehmen ambitionierte Pläne, auch den israelischen Markt zu erschließen. Mathias Hoinkis, Geschäftsführer und Vertreter der fünften Generation der Familienunternehmer, erklärte dazu: „Wir nehmen die kulturellen Unterschiede zwar wahr, aber sie halten uns nicht davon ab, voranzugehen. Nur bei der Koscher-Zertifizierung fehlen uns bisher noch Erfahrungen.“

Innovation und Anpassungsfähigkeit als Erfolgsgeheimnis

Das Geheimnis des anhaltenden Erfolgs liegt in der Unverwechselbarkeit und dem nostalgischen Flair der Liebesperlen. Mathias Hoinkis betont: „Wir haben ein einzigartiges Produkt entwickelt. Jeder kennt und liebt die Liebesperlen, die zu den sogenannten ‚gelernten Produkten‘ gehören.“ Das Unternehmen setzt nicht nur auf traditionelle Herstellung, sondern auch auf kontinuierliche Innovation und Anpassungsfähigkeit.

Nach der Wende entwickelte sich die Verpackung zu einem ernsthaften Problem: Die Glasfläschchen mit beigegrauen Kartons wirkten optisch wenig ansprechend. Senior-Chef Bernd-Christian Hoinkis erinnert sich: „Für uns ging es ums nackte Überleben. Liebesperlen in Glasfläschchen waren wegen der Kinder ungeeignet. Die Nachfrage nach unserem Produkt war da, aber niemand wollte unsere Verpackung. Das war ein riesiges Problem, das uns fast in den Ruin getrieben hätte.“

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Die Süßwarenmesse in Köln brachte schließlich die Rettung. Dort legte das Unternehmen den Grundstein für sein Überleben und fand einen Partner, der geeignete Verpackungen für die Zuckerperlen lieferte. Heute präsentieren sich die blau-gelb-grün-weiß-rot-orangefarbenen Perlenmischungen in kreativen Verpackungen, die wie Trompeten, Schirme, Malstifte oder Wunderröhrchen gestaltet sind, oft ergänzt durch Schlüsselanhänger, Sammelfiguren und Minibausätze.

Herausforderungen der Modernisierung

„Auch die Umstellung auf moderne Kommunikationstechnik und EDV stellte uns vor große Herausforderungen“, ergänzt Mathias Hoinkis. „In der DDR gab es solche Technik ja nur in sehr begrenztem Umfang, und wir hatten nicht einmal einen Kopierer. Schließlich kauften wir ein Faxgerät, aber wir konnten es nicht anschließen, weil das Kabel nicht zu den vorhandenen Anschlüssen passte.“

Konkurrenzkampf im modernen Markt

Die aktuelle Marktentwicklung bereitet den Unternehmern jedoch große Sorgen: „Die Konzentration im Markt nimmt stark zu, und inzwischen dominieren fast ausschließlich Großindustrien.“ Obwohl mittelständische Unternehmen weiterhin zahlreiche Marken produzieren, bleibt laut Mathias Hoinkis oft unklar, woher die Produkte tatsächlich stammen. „Ansonsten kann man ja kaum noch erkennen, woher etwas kommt“, erklärt er kritisch.

Hoinkis beschreibt außerdem, wie der Konkurrenzkampf in der Lebensmittelindustrie immer intensiver wird. „Übertrieben gesagt, entscheiden vier, fünf Leute darüber, was in Europa gegessen wird.“ Er kritisiert, dass mittelständische Unternehmen die hohen Werbekosten nicht mehr stemmen können. Gleichzeitig erschwert die Bürokratie die Arbeit der Betriebe erheblich, und viele Mittelständler scheitern an den enormen Kosten für notwendige Zertifizierungen. „Auf diese Weise zerstört man den Mittelstand“, fasst er die Situation zusammen.

Kulturelle Bedeutung und Rekorde

Die kulturelle Bedeutung der Liebesperlen zeigt sich auch in ungewöhnlichen Projekten. Erhard Rommer, ein Rentner aus Heilbronn, schaffte es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Er fertigte ein überdimensionales Mosaik aus 33.000 Liebesperlen an, das eine Nachbildung des Wandmosaiks der Kaiserin Theodora mit Gefolge aus dem sechsten Jahrhundert darstellt – ein beeindruckendes Zeugnis der anhaltenden Faszination für diese besondere Süßigkeit.