Die HSG Krefeld Niederrhein hat im anhaltenden Lizenzstreit mit der HSG Nordhorn-Lingen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Wie der Zweitliga-Absteiger am Dienstagnachmittag bestätigte, wurde bereits Ende vergangener Woche Strafanzeige bei der Abteilung für Wirtschaftskriminalität der Staatsanwaltschaft Köln erstattet. Die Anzeige richtet sich gegen die „relevanten Verantwortlichen“ des HSG Nordhorn-Lingen e.V. und umfasst den Vorwurf des Betrugs zum Nachteil der Handball-Bundesliga (HBL) sowie der HSG Krefeld Niederrhein.
Hintergrund des Streits
Auslöser ist die ursprünglich auflagenfreie Lizenzvergabe an die HSG Nordhorn-Lingen für die Saison 2026/27. Krefeld, das als Absteiger aus der 2. Bundesliga betroffen ist, zweifelt die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung an und fordert Einblick in die Lizenzunterlagen Nordhorns. Bereits seit Tagen wechseln Schriftstücke zwischen der HBL-Zentrale und den Anwälten des Klubs. Am Dienstagvormittag tagte eigens das neu geschaffene HBL-Vertrauensgremium, um über Krefelds Antrag auf Akteneinsicht zu entscheiden.
Das Vertrauensgremium der HBL
Das Gremium wurde nach der Lizenz-Causa 2024 um den HSV Hamburg eingeführt, als es zu einer Änderung der HBL-Lizenzierungsordnung (LZO) kam. Die drei Mitglieder wurden von den HBL-Klubs gewählt: Uwe Schwenker (Präsident des HBL e.V.), Prof. Dr. Jan Orth (Jurist an der Universität Köln) und Dr. Dirk Beil (Wirtschaftsprüfer aus Münster). Ihre Entscheidung wurde bislang nicht offiziell mitgeteilt; mit einer Bekanntgabe wird für Mittwoch gerechnet.
Der Ausgang des Gremiums könnte den juristischen Konflikt weiter anheizen. Sollte Krefeld abgewiesen werden, droht der Gang zu staatlichen Gerichten. Die Klubführung kündigte bereits an, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen.
Schwere Vorwürfe gegen Nordhorn
In einer öffentlichen Stellungnahme vom Dienstag erhob Krefeld neue, schwerwiegende Anschuldigungen. „Nach Prüfung durch unsere anwaltlichen Berater liegen schwerwiegende Anhaltspunkte vor, die darauf hindeuten, dass die Geschehnisse rund um die HSG Nordhorn-Lingen in Verbindung stehen mit pflichtwidrigen und strafbaren Verhaltensweisen der Verantwortlichen“, hieß es wörtlich. Man habe daher sowohl zivilrechtliche Ansprüche geltend gemacht als auch Strafanzeige erstattet.
Besonders brisant ist der Vorwurf, Nordhorn habe der Lizenzierungskommission während der Saison 2025/2026 einen inhaltlich falschen Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024/25 vorgelegt. Dieser habe bilanziell ein „von der Realität diametral abweichendes, positives Bild“ gezeichnet. Die Lizenzierungskommission habe trotz dieser Umstände keinen Anlass zum Einschreiten gesehen und sei untätig geblieben – ein Vorwurf, der auch die HBL selbst in die Kritik bringt.
Reaktionen und Ausblick
Die HBL wollte sich auf Nachfrage nicht zu den laufenden Ermittlungen äußern. Auch die HSG Nordhorn-Lingen hat bislang keine Stellungnahme abgegeben. Der Fall könnte weitreichende Folgen haben: Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen Nordhorn nicht nur sportliche Konsequenzen, sondern auch strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen.
Für Krefeld geht es unterdessen um die wirtschaftliche Existenz. Der Klub hatte bereits angekündigt, notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Die Entscheidung des Vertrauensgremiums wird mit Spannung erwartet – sie könnte den Weg für eine Eskalation oder eine gütliche Einigung ebnen.



