Insolvenz bei Traditionsunternehmen: Druckmaschinenhersteller in schwerer Krise
Ein deutsches Traditionsunternehmen mit 155-jähriger Geschichte kämpft um sein Überleben. Die Manroland Sheetfed GmbH, ein weltweit führender Hersteller von Bogenoffsetdruckmaschinen, hat am 28. Februar Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Offenbach angemeldet. Die dramatische Entwicklung folgt auf Verluste in Millionenhöhe und belastet rund 700 Mitarbeiter am Hauptsitz in Offenbach am Main.
Finanzielle Notlage und Sofortmaßnahmen
Das Unternehmen verzeichnete im Jahr 2025 einen Verlust von 43,2 Millionen Euro, wie die Wirtschaftswoche berichtete. Trotz erheblicher Investitionen der britischen Muttergesellschaft Langley Holdings konnte die finanzielle Schieflage nicht abgewendet werden. Für die kommenden drei Monate sind die Löhne der betroffenen Mitarbeiter durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert, was eine kurzfristige Atempause schafft.
Sanierungsbemühungen unter Zeitdruck
Im Zuge der Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt, wird jedoch von erfahrenen Sanierungsexperten unterstützt. Mit an Bord ist der bekannte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der bereits das Verfahren der Drogeriemarktkette Schlecker leitete. Innerhalb der nächsten drei Monate muss ein tragfähiges Sanierungskonzept erarbeitet werden, das auch die Suche nach neuen Investoren einschließt.
Branchenweite Herausforderungen verschärfen die Lage
Die Insolvenz von Manroland Sheetfed fällt in eine Phase, in der sich die gesamte Druckindustrie in einer tiefgreifenden Krise befindet. Der fortschreitende digitale Wandel, rückläufige Umsätze und steigende Energiekosten setzen traditionelle Druckunternehmen unter enormen Druck. Diese strukturellen Veränderungen erschweren die Sanierungsbemühungen zusätzlich.
Historischer Hintergrund und aktuelle Situation
Das 1871 gegründete Unternehmen musste bereits 2011 ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Augsburg beantragen. Nach der Aufspaltung des Konzerns übernahm Langley Holdings den Bereich Sheetfed und investierte massiv in den Standort Offenbach. Trotz dieser Bemühungen konnte die langfristige Profitabilität nicht gesichert werden. Der Mutterkonzern hat nun die Notbremse gezogen und schließt auch einen Personalabbau nicht aus.
Weltweit beschäftigt die Manroland-Gruppe insgesamt rund 1500 Mitarbeiter und unterhält Vertriebs- und Serviceniederlassungen in mehr als 40 Ländern. Die aktuelle Insolvenz betrifft jedoch primär den deutschen Standort in Offenbach, wo die Zukunft des traditionsreichen Unternehmens nun auf dem Spiel steht.



