US-Gewürzriese McCormick will deutsche Traditionsmarke Knorr erwerben
Die berühmte deutsche Lebensmittelmarke Knorr, die seit Generationen in deutschen Küchen präsent ist, könnte bald in amerikanische Hände übergehen. Aktuelle Verhandlungen zwischen dem britisch-niederländischen Konsumgüterkonzern Unilever und dem US-Gewürzhersteller McCormick & Company deuten auf einen möglichen Verkauf der Traditionsmarke hin.
Historische Marke mit wechselvoller Geschichte
Die Wurzeln von Knorr reichen fast zwei Jahrhunderte zurück bis zur Gründung in Heilbronn in Baden-Württemberg. Nachdem das Unternehmen 1998 vom US-Konzern Bestfoods übernommen wurde, erfolgte 2000 der nächste Besitzerwechsel durch die Übernahme von Bestfoods durch Unilever. Seitdem ist Knorr keine eigenständige Firma mehr, sondern eine Marke im umfangreichen Portfolio des multinationalen Konzerns.
Unilever betreibt aktuell vier Produktionsstätten in Deutschland, darunter Lebensmittelwerke in Auerbach und Heilbronn sowie Standorte für Körperpflegeprodukte in Buxtehude und Mannheim. Der deutsche Hauptsitz des Konzerns befindet sich in Hamburg.
Strategische Neuausrichtung bei Unilever
Unilever-Chef Fernando Fernandez verfolgt seit seinem Amtsantritt im März 2025 eine klare Strategie: Der Fokus soll verstärkt auf margenstärkeren Produktgruppen liegen, insbesondere im Bereich Schönheit, Hygiene und Körperpflege. Diese Neuausrichtung führte bereits 2025 zur Abspaltung der Speiseeissparte mit bekannten Marken wie Langnese und Magnum, die als eigenständiges Unternehmen an die Börse ging.
Die Lebensmittelsparte, zu der neben Knorr auch Marken wie Lipton, Hellmann's, Du darfst und Mondamin gehören, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 12,9 Milliarden Euro und trug damit etwa ein Viertel zum Gesamtumsatz des Konzerns bei. Dennoch steht diese Sparte nun offenbar zur Disposition.
McCormick als potenzieller Käufer
Der US-Gewürzhersteller McCormick & Company mit Hauptsitz in Maryland gilt als einer der weltweit führenden Hersteller von Gewürzen und scharfen Saucen. Mit einem Jahresumsatz von knapp sieben Milliarden Dollar und etwa 14.000 Mitarbeitern verfügt das Unternehmen über die nötige finanzielle Stärke für ein mögliches Multi-Milliarden-Geschäft.
Erste Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen laufen bereits, und ein Kaufangebot liegt vor. Die genaue Höhe des möglichen Kaufpreises bleibt jedoch ebenso geheim wie die Frage, ob es tatsächlich zu einer Einigung kommen wird. Beide Parteien halten sich mit konkreten Aussagen zurück.
Marktdruck als Treiber des Verkaufs
Hintergrund des möglichen Verkaufs steht der zunehmende Druck auf Lebensmittelkonzerne. Viele Verbraucher greifen mittlerweile vermehrt zu kostengünstigeren Produkten oder reduzieren ihren Konsum insgesamt, was zu einer sinkenden Nachfrage führt. Diese Marktentwicklung könnte Unilevers Entscheidung für einen möglichen Verkauf der Lebensmittelsparte beschleunigt haben.
Für die traditionsreiche Marke Knorr würde ein Verkauf an McCormick den nächsten Kapitelwechsel in ihrer langen Geschichte bedeuten. Ob die bekannten Fertiggerichte, Kochhilfen und Gewürzmischungen dann tatsächlich unter neuer amerikanischer Führung weiterproduziert werden, bleibt abzuwarten.



