Neobanken verstärkt im Visier von Betrügern: FIU meldet Rekord an Verdachtsmeldungen
Neobanken im Visier von Betrügern: FIU-Rekordmeldungen

Die Financial Intelligence Unit (FIU) hat im Jahr 2025 einen deutlichen Anstieg von Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit digitalen Finanzdienstleistern, insbesondere Neobanken, verzeichnet. Mit 108.158 Meldungen wurde ein neuer Höchstwert erreicht, was mehr als einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr (34.357) entspricht. Der Anteil der Neobanken an allen Verdachtsmeldungen stieg von 13 auf 29 Prozent, wie die beim Zoll angesiedelte Behörde in ihrem Jahresbericht mitteilte.

Digitale Finanzdienstleister als wachsende Säule

Digitale Finanzdienstleister haben sich innerhalb weniger Jahre von einem Nischensegment zu einer tragenden Säule neben klassischen Kreditinstituten entwickelt. Sie zeichnen sich durch eine weitgehend digitalisierte Kundenbeziehung, schnellere Kontoeröffnungen sowie eine oft grenzüberschreitende Ausrichtung aus. Diese Eigenschaften machen sie jedoch auch anfälliger für Betrug, wie die FIU betont.

Die FIU mit Sitz in Köln beschäftigt 587 Mitarbeiter, darunter Datenwissenschaftler, Juristen und Ermittler, die verdächtige Geldströme analysieren, um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Operation Chargeback: Riesiger Kreditkartenbetrug aufgedeckt

Im Jahr 2025 deckte die FIU einen der größten Fälle von Kreditkartenbetrug in Deutschland auf: die „Operation Chargeback“. Kriminelle Netzwerke hatten zwischen 2016 und 2021 rund 19 Millionen fingierte Online-Abonnements für Erwachsenenunterhaltung, Dating-Plattformen und Streaming-Dienste erstellt. Die monatlichen Abbuchungen lagen bei bis zu 50 Euro. Viele der mehr als 4,3 Millionen betroffenen Menschen in 193 Ländern bemerkten die Abbuchungen nicht sofort oder ordneten sie einem vergessenen Abonnement zu.

Der Gesamtschaden wurde auf mehr als 300 Millionen Euro geschätzt. Am 4. November 2025 führten Ermittler in zehn Ländern Razzien durch und vollstreckten 21 Haftbefehle. Die FIU hatte im Vorfeld rund 14 Millionen Einzeltransaktionen ausgewertet und dabei ein auffälliges Muster erkannt. Behördenleiter Daniel Thelesklaf sagte: „Dieser Fall zeigt, wie Betrug und Geldwäsche in der digitalen Welt zunehmend verschmelzen.“

Täuschungsmethoden und steigende Verdachtsfälle

Die Zuleitung auf betrügerische Portale erfolgte häufig durch gezielte Täuschungen. Betroffene berichteten von Kurznachrichten, die eine angebliche Paketzustellung ankündigten und eine geringe Zustellgebühr verlangten. Der enthaltene Link führte auf eine Webseite, die bekannte Paketdienstleister nachbildete und die Eingabe von Kreditkartendaten forderte. In anderen Fällen wurden Gewinnspiele vorgetäuscht, wobei die Dateneingabe zum versteckten Abschluss eines Abonnements führte.

Insgesamt registrierte die FIU 2025 knapp 374.700 Verdachtsmeldungen – rund 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der darin enthaltenen Transaktionen stieg um etwa 88 Prozent auf rund 3,2 Millionen. Der Zuwachs sei vor allem auf den Finanzsektor zurückzuführen. Die Behörde verfasste insgesamt gut 67.000 Analyseberichte an Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden, knapp 24 Prozent weniger als im Vorjahr.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration