Netflix zieht sich aus Milliarden-Bieterkrieg um Warner Bros. zurück
Der Streaming-Riese Netflix hat überraschend seinen Rückzug aus dem hochkarätigen Bieterkampf um das Hollywood-Urgestein Warner Bros. bekannt gegeben. Trotz eines neuen, deutlich erhöhten Angebots des Konkurrenten Paramount will Netflix sein eigenes Gebot nicht nachbessern, wie das Unternehmen in der Nacht zu Freitag mitteilte. Damit überlässt der Streaming-Pionier vorerst das Feld seinem Rivalen, während der Verwaltungsrat von Warner Bros. dennoch an seiner Empfehlung für Netflix festhält.
Paramount legt mit überlegenem Angebot nach
Kurz vor der Entscheidung von Netflix hatte Warner Bros. ein verbessertes Gebot von Paramount formal als „überlegen“ eingestuft. Paramount bietet satte 108,4 Milliarden US-Dollar für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery inklusive der TV-Sender wie CNN. Im Gegensatz dazu hatte Netflix lediglich knapp 83 Milliarden Dollar für die Filmstudios und das Streaming-Geschäft geboten. Für Netflix sei damit eine finanzielle Grenze erreicht, erklärte der Konzern. Angesichts des Paramount-Angebots sei der Deal finanziell nicht mehr attraktiv, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.
Verwaltungsrat hält an Netflix-Empfehlung fest
Brisant ist, dass der Verwaltungsrat von Warner Bros. trotz des überlegenen Paramount-Angebots weiterhin die Übernahme durch Netflix empfiehlt. Das Unternehmen teilte nach US-Börsenschluss mit, dass die bereits im Dezember geschlossene verbindliche Übernahmevereinbarung mit Netflix in Kraft bleibe. Die Aktionäre sollen am 20. März darüber abstimmen, ob sie dem Rat folgen oder das höhere Paramount-Angebot bevorzugen. Diese Entwicklung sorgt für erhebliche Spannungen im laufenden Bieterverfahren.
Netflix-Chefs verteidigen disziplinierte Haltung
Die Co-Chefs von Netflix, Ted Sarandos (61) und Greg Peters (56), verteidigten in einer gemeinsamen Erklärung die Entscheidung, nicht nachzulegen. Sie betonten, dass die ausgehandelte Transaktion einen Mehrwert für die Aktionäre geschaffen und einen klaren Weg zur behördlichen Genehmigung geboten hätte. „Wir haben uns jedoch stets diszipliniert verhalten“, erklärten sie. Zu dem Preis, der erforderlich wäre, um das jüngste Angebot von Paramount zu erreichen, sei der Deal finanziell nicht mehr attraktiv.
Die Netflix-Führung räumte ein, dass sie die ikonischen Marken von Warner Bros. gut geführt hätte und der Deal die Unterhaltungsindustrie gestärkt sowie Arbeitsplätze in der US-Produktion erhalten und geschaffen hätte. Dennoch stellten sie klar: „Diese Transaktion war immer ein ,Nice to have‘ zum richtigen Preis, kein ,Must have‘ um jeden Preis.“ Diese Aussage unterstreicht die strategische Zurückhaltung von Netflix in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Streaming-Markt.
Ausblick auf den weiteren Verlauf
Mit dem Rückzug von Netflix geht der Bieterkampf um Warner Bros. in eine neue, ungewisse Phase. Paramount hat mit seinem massiven Angebot deutlichen Druck aufgebaut, während die Treue des Warner-Bros.-Verwaltungsrats zu Netflix die Situation zusätzlich verkompliziert. Die anstehende Abstimmung der Aktionäre im März wird nun entscheidend sein für die Zukunft des traditionsreichen Hollywood-Studios. Beobachter erwarten, dass dieser Fall langfristige Auswirkungen auf die Konsolidierung im Unterhaltungssektor haben könnte, da große Player um Marktanteile und Inhalte konkurrieren.



