Cola-Mix-Boom: Deutsche Brauereien erobern den Getränkemarkt
Im deutschen Getränkemarkt vollzieht sich eine bemerkenswerte Verschiebung: Das Paulaner Spezi hat sich als unangefochtener Marktführer im Segment der Cola-Mix-Getränke etabliert und dabei die etablierten Konkurrenten Coca-Cola mit Mezzo Mix und Pepsi mit Schwip Schwap überholt. Diese Entwicklung spiegelt einen breiteren Trend wider, bei dem immer mehr deutsche Brauereien in das lukrative Cola-Mix-Geschäft einsteigen.
Brauereien diversifizieren ihr Portfolio
Angesichts des anhaltenden Rückgangs des Bierkonsums suchen Brauereien nach neuen Wachstumsfeldern. Gold Ochsen aus Ulm, die Darmstädter Privatbrauerei, Stauder aus Essen, Veltins aus dem Sauerland und die Flensburger Brauerei – sie alle haben kürzlich Cola-Mix-Produkte auf den Markt gebracht. Diese strategische Diversifizierung ermöglicht es den Brauern, ihre bestehenden Abfüllanlagen ohne größere Umbauten auch für die Produktion von Cola-Mix-Getränken zu nutzen.
Niklas Other, Herausgeber des Branchenfachmagazins „Inside“, betont: „Der große Spezi-Erfolg geht allein auf Paulaner zurück.“ Der Markt für Cola-Mix-Getränke hat mittlerweile ein beachtliches Volumen erreicht. Marktforscher-Daten zeigen, dass im Handel sogar mehr Cola-Mix-Getränke verkauft werden als alkoholfreie Biere.
Rückgang des Bierkonsums als Treiber
Der Hintergrund für diesen strategischen Schwenk ist eindeutig: Der Bierkonsum in Deutschland sinkt kontinuierlich. Nach einem Rekordminus von 5,8 Prozent im Jahr 2025 setzt sich dieser Abwärtstrend auch 2026 fort. Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, warnt: „2026 wird für uns ein sehr hartes Jahr werden, eine Entspannung ist nicht in Sicht.“ Die schwache Konsumstimmung belastet Handel, Gastronomie und Brauereien gleichermaßen.
Zwar verzeichnet alkoholfreies Bier mit einem Plus von 7,6 Prozent im Jahr 2025 einen Boom und hat mittlerweile einen Anteil von elf Prozent am Gesamtmarkt erreicht. Doch laut einer Analyse von Veltins kann dieses Wachstum nur etwa ein Drittel der Verluste im Biergeschäft ausgleichen.
Design und Marketing im Fokus
Um insbesondere junge Konsumenten anzusprechen, die tendenziell weniger Alkohol trinken, setzen die Brauereien auf auffälliges Design. Veltins beispielsweise knüpft mit einem Schallplatten-Design auf seinen Remix-Dosen an einen aktuellen Nostalgie-Trend an. Dieser Retro-Look soll die Aufmerksamkeit in den Regalen steigern und neue Zielgruppen erschließen.
Investitionen und strukturelle Veränderungen
Die Braubranche reagiert auf die veränderten Marktbedingungen mit umfangreichen Investitionen. Georg Rittmayer, Präsident des Verbandes Private Brauereien, erklärt: „Zum anderen beschäftigen sich mittlerweile auch kleine Brauereien mit der nötigen Anlagentechnik zur Herstellung von alkoholfreien Bieren.“ Etwa 80 Prozent der Betriebe planen für 2026 Ausgaben, wobei der Schwerpunkt auf Energieeffizienz liegt.
Die strukturellen Veränderungen in der Branche sind deutlich spürbar: Seit dem Höchststand im Jahr 2019 mit 1.552 Betrieben haben bereits 137 Brauereien geschlossen, darunter viele jahrhundertealte Unternehmen. Die Mitarbeiterzahl blieb mit etwa 27.400 Beschäftigten jedoch weitgehend stabil. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, startet die Brauwirtschaft nun eine bundesweite Ausbildungskampagne, um junge Menschen für Berufe in Brauereien und Mälzereien zu gewinnen.
Reaktionen der etablierten Konkurrenz
Die Expansion der Brauereien in das Cola-Mix-Geschäft wird von den etablierten Getränkegiganten unterschiedlich bewertet. John Galvin, Deutschland-Chef von Coca-Cola, zeigt sich gelassen: „Diese neuen Anbieter bringen Wachstum für die Kategorie durch neue Konsumenten. Das ist an sich keine schlechte Sache.“ Für Verbraucher bedeutet der Trend tatsächlich eine größere Auswahl im Regal.
Marktforscher von NIQ zählen immer mehr neue Cola-Mix-Produkte. Dank attraktiver Aktionsangebote stieg der Absatz um mehr als drei Prozent. Der Durchschnittspreis liegt derzeit bei 1,16 Euro pro Liter, was einem Plus von 5,6 Prozent entspricht. Im Vergleich dazu ist Bier teurer geworden: Im ersten Quartal 2026 kostete ein Liter Bier durchschnittlich 1,62 Euro, gegenüber 1,57 Euro im Vorjahreszeitraum. Die Zeiten von Schnäppchen wie Bierkästen für 10 Euro sind weitgehend vorbei – selbst alkoholfreies Pils ist teurer geworden.
Die Brauereien zeigen mit ihrem Engagement im Cola-Mix-Segment, dass sie bereit sind, sich den veränderten Marktbedingungen anzupassen und neue Wachstumspfade zu beschreiten. Ob Paulaner mit einer reinen Cola sogar im angestammten Terrain von Coca-Cola erfolgreich sein wird, bleibt nach den Worten von Niklas Other jedoch offen: „Da ist der Ausgang offen, ob das gelingt.“ Erste Erfolge sind jedoch bereits sichtbar – nach Angaben eines Brauerei-Sprechers verlief der Start im März sehr vielversprechend.



