Schwerer Schlag für traditionsreiches Unternehmen
Nach stolzen 181 Jahren Firmengeschichte hat die Porzellanmanufaktur Kahla aus Thüringen Insolvenz angemeldet. Das für seine designorientierte Tischkultur bekannte Unternehmen mit Sitz in Kahla ist mit mehr als 100 internationalen Designpreisen ausgezeichnet worden und steht nun vor einer ungewissen Zukunft.
Insolvenzverfahren eingeleitet
Geschäftsführer Daniel Jeschonowski (45) bestätigte gegenüber Medien: „Ja, wir mussten beim Amtsgericht Gera Insolvenz anmelden.“ Der Geschäftsbetrieb soll jedoch vorerst weiterlaufen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Thomas Jacobs von der Kanzlei Brinkmann & Partner in Erfurt bestellt. Jeschonowski erklärte, dass nun alle Kraft in die Suche nach einem strategischen Partner gesteckt werde.
Auswirkungen auf Mitarbeiter und Produktion
Für die 120 Mitarbeiter bedeutet die Insolvenz zunächst große Unsicherheit. Kündigungen seien jedoch zurzeit nicht geplant. Das Unternehmen möchte auch künftig in Deutschland produzieren. „Da sehen wir uns mit Blick auf die neuen Zölle in unserer Strategie bestätigt“, so Jeschonowski. Seit dem 1. Februar 2026 erhebt die EU auf den Import von Porzellan- und Keramikwaren aus China Schutzzölle von 79 Prozent. „Für uns kommt das leider zu spät“, bedauerte der Geschäftsführer, hofft aber auf einen künftigen positiven Effekt für das Thüringer Unternehmen.
Nicht die erste Krise des Traditionsunternehmens
Bereits im März 2020 hatte das 1844 gegründete Porzellanwerk Insolvenz anmelden müssen, nachdem ein geplatzter Großauftrag zu finanziellen Schwierigkeiten geführt hatte. Jeschonowski, der zugleich Chef des Schreibgeräte-Herstellers Senator ist, stieg damals als Investor bei Kahla ein. Mit einer umfassenden Restrukturierung und Neuausrichtung am Markt wollte er das Unternehmen zurück in die Gewinnzone führen. „Für 2026 hatten wir mit der schwarzen Null gerechnet“, sagte er.
Hohe Kosten und schwache Nachfrage als Hauptgründe
Der aktuelle Rückschlag hat mehrere Ursachen. „Wir haben eine gute Auslastung, machen aber momentan zu wenig Umsatz“, erklärte Jeschonowski. Eine wirtschaftliche Verunsicherung führe dazu, dass Kunden weniger kaufen. Besonders belastend seien die stark gestiegenen Energiekosten seit dem Ukraine-Krieg 2022, die sich durch die jüngsten Spannungen im Nahen Osten weiter verschärft hätten. Trotz aller Schwierigkeiten zeigt sich der Geschäftsführer zuversichtlich: „Wir wollen die Porzellan-Manufaktur retten, die Belegschaft steht hinter uns.“
Kulturelle Bedeutung des Werks
Das Kahla-Werk hat auch kulturell eine besondere Bedeutung. Bereits 2017 diente es als Drehort für die „Tatort“-Folge „Der wüste Gobi“ mit den Kommissaren Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen). Nun wird das Werk erneut zum Schauplatz einer dramatischen Entwicklung – diesmal in einem realen Wirtschaftskrimi.



