Privatmärkte-Boom: Vermögensverwalter im Zugzwang
Privatmärkte-Boom: Vermögensverwalter unter Druck

Eine aktuelle Studie des US-Fondsanbieters State Street, die dem Handelsblatt vorab vorliegt, belegt das enorme Wachstum der Privatmärkte. Demnach bieten bereits mehr als 84 Prozent der befragten Vermögensverwalter, Banken und institutionellen Anleger weltweit außerbörsliche Anlagen für Privatanleger an oder planen, ihr Angebot in diesem Segment auszubauen. Nur sieben Prozent wollen ihr Engagement in der Anlageklasse zurückfahren.

Nachfrage bleibt stark – aber Herausforderungen wachsen

„Die Nachfrage bleibt stark“, sagt Joerg Ambrosius, President of Investment Services bei State Street. „Doch Privatmärkte einer breiteren Anlegerbasis in großem Maßstab zugänglich zu machen, verändert die Funktionsweise der Branche grundlegend.“ Welcher Anbieter Erfolg habe, hänge davon ab, Komplexität zu reduzieren und konsistente Ergebnisse für ein deutlich breiteres Kundenspektrum liefern zu können, so Ambrosius.

Die Privatmärkte umfassen Anlagen wie Private Equity, private Kredite und Infrastrukturprojekte, die nicht an der Börse gehandelt werden. Lange waren diese Investments Pensionskassen, Versicherern und besonders vermögenden Privatkunden vorbehalten. Nun rückt der Milliardenmarkt in die Reichweite gewöhnlicher Sparer.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

KI als Megatrend treibt Investitionen

Bei der Investitionsoffensive setzen die Anleger auf einen Megatrend: Künstliche Intelligenz (KI) und KI-Infrastruktur sind weltweit die führenden Investmentthemen, zeigt die Studie. „Selbst in einem unsicheren Umfeld ist der Privatmarkt zunehmend der Ort, an dem Anleger Zugang zu den wichtigsten langfristigen Wachstumsthemen erhalten“, erklärt Donna Milrod, Chief Product Officer bei State Street. Die Häuser müssten sich weiter anpassen, um die Nachfrage des immer breiter werdenden Anlegerkreises zu bedienen.

Liquiditätssteuerung als zentrale Hürde

Die Öffnung der Privatmärkte stellt die Anbieter vor große Herausforderungen. Knapp acht von zehn Befragten nennen die Liquiditätssteuerung als zentrale Hürde. Sie müssen jederzeit Auszahlungen für Anleger ermöglichen und den Geldbedarf der neuen Anlegergruppe prognostizieren. Auch die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben wird aufwendiger, ebenso nehmen die Berichtspflichten und der Betreuungsaufwand der Kunden zu.

Diese sogenannte Demokratisierung der Privatmarktinvestments erhöhe die Anforderungen an die Anbieter, sagt Scott Carpenter, Global Head of Alternatives bei State Street. „Die Anlageklasse zu öffnen, erfordert mehr als reine Produktinnovation. Es braucht die Infrastruktur, die Daten und die operativen Fähigkeiten, um Transparenz zu schaffen, Liquidität zu steuern und die Erwartungen einer ganz anderen Anlegerbasis zu erfüllen“, erklärt er.

Eltifs als Vehikel der Wahl

Mittel der Wahl sind die zuletzt reihenweise in der EU neu aufgelegten European Long-Term Investment Funds, kurz Eltifs. Seit vergangenem Jahr ist für diese Fonds-Produkte keine Mindestanlage mehr vorgeschrieben. Das Analysehaus Scope rechnet damit, dass sich das in Eltifs verwahrte Anlegergeld von knapp 21 Milliarden Euro Ende 2024 bis Ende 2027 auf 65 bis 70 Milliarden Euro mehr als verdreifachen wird.

Die Anbieter aus der State-Street-Studie erwarten trotz der steigenden Nachfrage jedoch, dass das Wachstum nachlassen wird. Nur noch rund 43 Prozent von ihnen gehen davon aus, dass Privatanleger in den nächsten drei Jahren für mindestens die Hälfte der frisch eingesammelten Gelder in den Privatmärkten sorgen werden. Im Vorjahr waren noch 56 Prozent dieser Ansicht.

Risiken für Privatanleger: Illiquidität und mangelnde Transparenz

Experten mahnen ohnehin zur Vorsicht. Privatanleger sollten bei Privatmarktfonds die Illiquidität der Anlageklasse, die mangelnde Transparenz mancher Produkte und deren Kosten beachten. Eltifs können anders als etwa Aktien und Anleihen nicht jederzeit zum Marktpreis an der Börse verkauft werden. Anleger können ihre Eltif-Anteile – wenn überhaupt – meist nur quartalsweise und nach einer festgeschriebenen Haltedauer verkaufen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Wie real diese Liquiditätssorgen sind, zeigt ein aktueller Fall aus dem Private-Credit-Markt: Apollos wichtigster Fonds für Privatanleger, der 15 Milliarden Dollar schwere Apollo Debt Solutions Fund, ist mit Abzugsforderungen konfrontiert. Im zweiten Quartal verlangten Anleger den Abzug von zusammen 17 Prozent des Fondsvermögens – nach bereits 11 Prozent im Vorquartal. Bedient wurde davon weniger als ein Drittel. Wie die meisten Anbieter im Private-Credit-Markt begrenzt der Fonds die Auszahlungen über sogenanntes Gating auf fünf Prozent des Fondsvermögens pro Quartal.