Linus Pliske aus Halle hat sich im boomenden Second-Hand-Luxusmarkt etabliert. Der 22-Jährige erkennt Originale an winzigen Details und handelt mit Taschen, die so teuer sind wie ein Mittelklassewagen. Sein Unternehmen Vintage And Kickz verkauft gebrauchte Luxus-Handtaschen – von Klassikern bis zu seltenen Einzelstücken.
Vom Steineverkauf zum Luxushandel
Pliskes Karriere begann früh: Mit sieben Jahren verkaufte er bemalte Steine für 20 Cent. Später handelte er mit Pokémonkarten, trug Zeitungen aus und reparierte iPhone-Displays. Mit 14 startete er den Handel mit Sneakern – gebraucht kaufen, reinigen, teurer verkaufen. Da er noch minderjährig war, meldete er das Gewerbe gemeinsam mit seinem Vater an. Der Wechsel zu Handtaschen erfolgte, weil die Hemmschwelle bei gebrauchten Schuhen höher ist als bei Taschen.
Erkennung von Originalen
Pliske prüft jedes Detail: Stichmuster, Gravuren, Seriennummern, Innenleben. „Das zu kopieren, ist nicht einfach“, sagt er. Eine echte Louis Vuitton erkennt er am gleichmäßigen, engen und präzisen Stichmuster. Fälscher geben sich oft wenig Mühe mit dem Innenleben der Taschen.
Boom des Second-Hand-Luxusmarktes
Während Nobelmarken aufgrund wirtschaftlicher Verwerfungen Absatzprobleme haben, boomt der Second-Hand-Markt. „Eine neue Tasche kostet 8.000 bis 10.000 Euro und verliert schnell an Wert“, erklärt Pliske. „Bei uns bekommst du die gleiche Tasche gebraucht für ein Drittel.“ Die Wirtschaftswissenschaftlerin Doreén Pick von der Hochschule Merseburg bestätigt den Trend: „Die Second-Hand-Luxustasche ist die Belohnung, die man sich leisten kann.“ Zudem befeuern Medien wie TikTok oder Filme wie „Der Teufel trägt Prada“ das Interesse.
Der heilige Gral: Hermès Birkin Bag
Im Ausstellungsraum steht eine Birkin Bag von Hermès – der heilige Gral der Handtaschenwelt. „Dieses Exemplar verkaufen wir für 14.000 Euro“, sagt Pliske. Die teuerste Tasche, die er je verkaufte, kostete 40.000 Euro. Doreén Pick erklärt dies mit dem Veblen-Effekt: Bei manchen Produkten steigt die Attraktivität mit dem Preis. Knappheitseffekte erhöhen zusätzlich die Zahlungsbereitschaft.
Online-Geschäft von Halle aus
Das Geschäft läuft fast vollständig online – über die eigene Website, Ebay, Vinted und andere Portale. Pliske hat über 10.000 Kunden weltweit, Pakete gehen bis nach Australien. Der Standort Halle spielt kaum eine Rolle. Im Büro reparieren Mitarbeiter Ledertaschen, erstellen Online-Angebote und fotografieren die Ware detailgenau. Jeder Kratzer, jede Verfärbung wird dokumentiert. 35 Prozent der Kunden sind Bestandskunden.
Quellen und Nachhaltigkeit
Die Taschen stammen von Kunden, aus Nachlässen, von Händlern oder Pfandleihhäusern. „Wir kaufen auch unsere eigenen Sachen zurück“, erklärt Pliske. Nachhaltigkeit ist Teil des Geschäftsmodells: „Man schmeißt nichts weg, sondern gibt es weiter.“
Risiken und Zukunft
Trotz des Erfolgs gibt es Risiken. „Es kommt vor, dass wir Sachen unter Einkaufspreis verkaufen müssen“, sagt Pliske – etwa wenn ein Makel übersehen wurde oder ein Modell nicht gefragt ist. Dennoch wächst das Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern. Ein Reparaturservice für kaputte Luxustaschen sorgte für weiteren Schub. „In Zukunft würde ich gern noch ein Ladengeschäft aufmachen“, meint Pliske. Luxus-Handtaschen zu shoppen, funktioniere auch in Halle.



