Münchner Traditionsgeschäfte: Suckfüll schließt, Hieber Lindberg kämpft
Suckfüll schließt, Hieber Lindberg kämpft

Zwei Münchner Traditionsgeschäfte stehen vor dem Aus oder kämpfen ums Überleben. Der Haushaltswarenhändler Suckfüll in der Türkenstraße schließt nach 94 Jahren. Das gab Firmenchef Wolfgang Suckfüll bekannt. In den kommenden Tagen bleibt das Geschäft wegen Umbaus geschlossen, am 6. Mai startet der Räumungsverkauf. Ende Juni wird der Laden endgültig schließen.

Suckfüll: Ein Stück Münchner Geschichte

Der Suckfüll in der Maxvorstadt war seit 1932 ein fester Bestandteil des Viertels. „Der Suckfüll, der hat ois, was ma braucht“, lautete einer der Werbesprüche des Geschäfts, das in dritter Generation von Wolfgang Suckfüll geführt wurde. Auf zuletzt 560 Quadratmetern bot der Laden alles, was im Haushalt benötigt wird: von der Gardinenstange nach Maß über Küchenartikel bis hin zu Werkzeug und Picknickdecken. Mehr als 30.000 Artikel umfasste das Sortiment, 17 Mitarbeiter waren zuletzt beschäftigt. Sie deponierten bestellte Ware auch mal in einem Automaten draußen, wenn Kunden es nicht rechtzeitig zu den Öffnungszeiten ins Geschäft schafften.

Wolfgang Suckfüll begründet die Schließung mit tief greifenden strukturellen Veränderungen im deutschen Einzelhandel, steigenden Kosten und geändertem Käuferverhalten. Hausrat und Eisenwaren gebe es heute auch bei Discountern, Möbelhäusern, Baumärkten und sogar im Lebensmittelhandel. Zudem habe sich die Türkenstraße stark verändert: Aus einer florierenden Geschäftsstraße sei eine gastronomiedominierte Gegend mit Feiercharakter geworden. Fast alle Handwerker im Viertel seien verschwunden, viele Parkplätze weggefallen. „Außerdem gab es in der direkten Nachbarschaft über die letzten 26 Jahre fast ohne Pause eine Baustelle nach der anderen“, so Suckfüll. Er dankte seinen Kunden für ihre Treue. Das Geschäft mit Schließ-, Briefkasten- und Klingelanlagen soll fortgeführt werden.

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Hieber Lindberg: Insolvenz und Suche nach Investor

Anders gelagert ist der Fall bei dem Münchner Traditionshaus Hieber Lindberg. Dessen Anfänge gehen bis 1884 zurück. Am 30. April 2026 musste das Musikhaus vorläufige Insolvenz anmelden. Die 44 Mitarbeiter bekommen nun bis Ende Juni Insolvenzgeld, das Geschäft bleibt bis dahin geöffnet. Insolvenzverwalter Max Liebig ist auf der Suche nach einem neuen Eigentümer. Er bezeichnet das Geschäft als „Leuchtturm für eine lebendige Innenstadt“. Hieber Lindberg war erst kürzlich in kleinere Räume auf der Sonnenstraße gezogen.

Die Zukunft des Musikhauses ist ungewiss. Während Suckfüll endgültig schließt, hofft Hieber Lindberg auf eine Rettung. Die Münchner Innenstadt verliert damit zwei weitere Traditionsgeschäfte, die jahrzehntelang das Stadtbild geprägt haben.

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