Tankstellenbetreiber klagen über „Abzocke“ bei Spritpreisen nach Iran-Krieg
Tankstellenbetreiber: Spritpreise sind „Abzocke“ nach Iran-Krieg

Tankstellenbetreiber sehen hohe Spritpreise als „Abzocke“ der Mineralölkonzerne

Die Spritpreise an den Zapfsäulen in Deutschland sind nach dem Beginn des Iran-Kriegs in die Höhe geschossen. Während die Ölwirtschaft die gestiegenen Rohölpreise als Grund nennt, widersprechen verärgerte Tankstellenbetreiber vehement und kritisieren die Praktiken der Mineralölkonzerne scharf.

Kritik an Raubtierkapitalismus und sozialer Ungerechtigkeit

Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV), äußerte sich in der „Stuttgarter Zeitung“ deutlich: „Das ist Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert und hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun.“ Er moniert, dass Rohöl zu einem viel günstigeren Preis eingekauft und raffiniert wurde und seitdem teilweise in den Tanks unter den Tankstellen lagert. Nun werde es deutlich teurer verkauft – ein Preis, mit dem die Konzerne ursprünglich nicht kalkuliert hätten. Rabl bezeichnet dies als klare „Abzocke“.

Tankstellenpächter als Leidtragende ohne Einfluss

Die Tankstellenpächter haben laut Rabl keinen Einfluss auf die Preise an der Zapfsäule, die von den Konzernen festgelegt werden. Den Frust der Autofahrer bekämen dann die Tankstellenpächter und ihre Angestellten ab. Ähnlich äußerte sich Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes (VGT) Nord-Ost: „Die Kollegen an den Kassen kriegen natürlich schon sehr deutlich den Unmut der Leute mit.“ Die Preishoheit liege eindeutig bei den Mineralölgesellschaften.

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Auswirkungen auf Tankstellenshops und wirtschaftliche Folgen

Die gestiegenen Spritpreise haben auch negative Auswirkungen auf den Verkauf in den Tankstellenshops. Verärgerte Kunden kaufen nach dem Tanken oft nichts mehr, was für die Pächter problematisch ist, da der Shop-Umsatz etwa 60 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Im Vergleich dazu entfallen auf Einnahmen durch Benzin und Diesel lediglich etwa 20 Prozent.

Skepsis gegenüber politischen Maßnahmen und Kartellamt

Rabl steht dem Vorgehen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) skeptisch gegenüber. Er bezweifelt, dass eine Prüfung durch das Kartellamt Ergebnisse bringt, da die Preise bislang nicht so hoch seien, dass von gesetzeswidrigem Wucher gesprochen werden könne. Das Kartellamt sei in diesem Fall ein „zahnloser Tiger“. Auch ein Tankrabatt, wie er 2022 zeitweise eingeführt wurde, lehnt Rabl ab, da es nicht sinnvoll sei, die Preiserhöhungen der Konzerne zu bezuschussen – eine Position, die Reiche bereits unterstützt hat.

Aktuelle Preisentwicklung und Zahlen

Die Spritpreise in Deutschland sind infolge des Iran-Kriegs seit Ende Februar 2026 stark gestiegen. Der Dieselpreis überschritt am 4. März erstmals die Marke von zwei Euro pro Liter. Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich ebenfalls deutlich und kostete zeitweise knapp zwei Euro pro Liter. Diese Entwicklung belastet nicht nur Autofahrer, sondern führt zu anhaltenden Konflikten zwischen Tankstellenbetreibern und Mineralölkonzernen.

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