Nach 122 Jahren: Traditionsbäckerei Neff in Karlsruhe meldet Insolvenz an
Traditionsbäckerei Neff nach 122 Jahren insolvent

Nach 122 Jahren: Traditionsbäckerei Neff in Karlsruhe meldet Insolvenz an

Ein Stück Karlsruher Stadtgeschichte steht vor einer ungewissen Zukunft. Die traditionsreiche Bäckerei Rudolf Neff GmbH, die seit dem Jahr 1904 das Backhandwerk in der Region pflegt, hat beim Amtsgericht Karlsruhe ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht gab am 24. Februar 2026 grünes Licht für dieses Verfahren und setzte Rechtsanwalt Holger Blümle als vorläufigen Sachwalter ein.

Familienbetrieb mit 19 Filialen und 200 Mitarbeitern

Der Familienbetrieb, der aktuell in vierter Generation von der Familie Reich geführt wird, betreibt insgesamt 19 Filialen in Karlsruhe, Pforzheim, Rastatt und der umliegenden Region. Trotz der Insolvenz läuft der Betrieb vorerst ohne Einschränkungen weiter. Rund 200 Beschäftigte können zunächst aufatmen, da ihre Löhne bis April 2026 über Insolvenzgeld abgesichert sind. Danach soll das Unternehmen wieder selbst für die Gehaltszahlungen aufkommen.

Energiepreise und Fachkräftemangel als Hauptursachen

Was die traditionsreiche Bäckerei in die Knie gezwungen hat, ist ein Problem, das viele handwerkliche Betriebe in Deutschland teilen. Seit Beginn des Ukrainekrieges sind die Energiepreise dramatisch gestiegen. Die Öl- und Gasöfen, die für den Backbetrieb unverzichtbar sind, haben die Kosten laut Unternehmensangaben um bis zu 500 Prozent in die Höhe getrieben. Hinzu kommen die deutlich teureren Mehle für Weizen, Roggen und Dinkel.

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Parallel dazu leidet die Branche unter einem massiven Fachkräftemangel. Nachtschichten, körperlich anstrengende Arbeit und steigende Mindestlöhne stellen viele Bäckereien vor fast unlösbare Herausforderungen. Diese Kombination aus explodierenden Betriebskosten und Personalsorgen hat auch den traditionsreichen Betrieb aus Karlsruhe an den Rand der Existenz gebracht.

Sanierungsexperten entwickeln Rettungsplan

Die Geschäftsführung zeigt sich trotz der schwierigen Situation entschlossen. „Wir stehen als Familienunternehmen zu unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiter, für unsere Kundschaft und unser handwerkliches Erbe“, betont Geschäftsführer Andreas Reich. Unterstützung erhält die Familie von den Sanierungsexperten Jens Lieser und Alfred Kraus, die nun einen strukturierten Rettungsplan entwickeln.

Sanierungsexperte Alfred Kraus äußert sich vorsichtig optimistisch: „Brot und Brötchen sind unverzichtbare Grundnahrungsmittel, und das Konzept von Neff hat das Gericht überzeugt. Der Neustart ist machbar, wenn jetzt alle Beteiligten an einem Strang ziehen.“ Das Verfahren in Eigenverwaltung biete die Chance, das Unternehmen geordnet zu sanieren und fit für die Zukunft zu machen.

Zukunft der Traditionsmarke ungewiss

Seit 1904 prägt die Bäckerei Neff das Stadtbild von Karlsruhe und der Region. Vier Generationen haben hier für regionale Qualität und echtes Backhandwerk gestanden. Nun entscheidet sich, ob die Traditionsmarke eine der größten Herausforderungen ihrer über 120-jährigen Geschichte überstehen kann oder ob ein bedeutendes Stück Karlsruher Bäckereikultur verloren geht.

Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob der Sanierungsplan Erfolg haben wird und ob die 19 Filialen mit ihren 200 Mitarbeitern langfristig erhalten bleiben können. Für die Kunden in der Region bedeutet dies zunächst, dass sie weiterhin auf die gewohnte Qualität der Bäckerei Neff zählen können – ob dies auch in Zukunft so bleiben wird, hängt vom Erfolg der aktuellen Rettungsbemühungen ab.

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