430 Arbeitsplätze gefährdet: VW-Zulieferer Boryszew schließt zwei Werke nach gescheiterter Investorensuche
VW-Zulieferer schließt zwei Werke - 430 Jobs gefährdet

Deutscher VW-Zulieferer muss zwei Standorte schließen

Nach mehr als einem Jahr intensiver Verhandlungen steht die Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH (BKD) vor der Schließung ihrer beiden Produktionsstandorte. Das Unternehmen mit Werken in Gardelegen (Sachsen-Anhalt) und Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) konnte trotz aller Bemühungen keinen langfristigen Investor finden, der eine Zukunftsperspektive für die Standorte entwickelt hätte.

Produktion läuft noch bis Jahresende

Die insgesamt 430 Mitarbeiter an beiden Standorten wurden bereits über die bevorstehenden Veränderungen informiert. Die Produktion soll planmäßig bis zum Ende des Jahres 2026 weiterlaufen, bevor die Werke dann geschlossen werden. Insolvenzverwalter Silvio Höfer von Anchor Rechtsanwälte betonte in einer Stellungnahme: „Wir haben uns seit dem Insolvenzantrag vor einem Jahr sehr intensiv mit der Suche nach einem langfristigen Investor beschäftigt. Es wurden viele Gespräche geführt, aber bisher ist es leider zu keiner Einigung gekommen.“

Obwohl der Betrieb in den vergangenen Monaten stabil weiterlief und sogar eine Fortführungsvereinbarung mit dem Volkswagen-Konzern zustande kam, reichten diese Maßnahmen nicht aus, um das Unternehmen dauerhaft zu retten. Die anhaltend schwierige Marktsituation im Automotive-Sektor erschwerte die Suche nach einer tragfähigen Lösung erheblich.

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Umsatzeinbrüche führten zur Insolvenz

Die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens hatten sich bereits seit längerem abgezeichnet. Im März 2025 stellte Boryszew beim Amtsgericht Stendal den Insolvenzantrag, nachdem der Umsatz in den vorangegangenen Jahren kontinuierlich gesunken war:

  • Von knapp 69 Millionen Euro
  • Auf rund 53 Millionen Euro

Die fehlenden Aufträge, die über das Jahresende 2026 hinausreichen, machten eine langfristige Planung unmöglich. Die angespannte Marktlage im Automobilsektor erwies sich als zusätzliches Hindernis für potenzielle Investoren.

Sozialverträgliche Lösungen werden angestrebt

In den kommenden Monaten sollen nun Verhandlungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften geführt werden, um für die betroffenen Mitarbeiter möglichst sozialverträgliche Lösungen zu finden. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Herstellung von Kunststoff- und Zinkdruckguss-Komponenten, die vor allem im Autoinnenraum verbaut werden. Volkswagen gehörte zu den wichtigsten Abnehmern dieser Spezialteile.

Insolvenzverwalter Höfer würdigte in seiner Mitteilung ausdrücklich das Engagement der Belegschaft: „Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Beschäftigten für ihren außerordentlichen Einsatz bedanken, der es erst ermöglicht hat, dass die Produktion über diesen langen Zeitraum trotz der Insolvenz fortgeführt werden konnte.“

Die Schließung der beiden Werke markiert einen weiteren Rückschlag für die deutsche Automobilzulieferindustrie, die seit Jahren mit strukturellen Veränderungen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Die betroffenen Regionen in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz müssen sich nun auf den Verlust von insgesamt 430 hochspezialisierten Arbeitsplätzen einstellen.

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