Halberstädter Würstchen-Firma nach Rettung endgültig verkauft
Würstchen-Firma nach Rettung endgültig verkauft

Halberstadt – Nach zwei überwundenen Insolvenzen schien die Zukunft der Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik im Januar noch rosig. Das Unternehmen mit 140 Jahren Tradition hatte einen Coup gelandet: Es sollte fortan für das renommierte Münchner Feinkosthaus Käfer produzieren. Die Zeichen standen auf Neubeginn und Aufschwung. Doch nur drei Monate später folgt die Hiobsbotschaft: Die Firma wird verkauft. Die Würstchen-Familie gibt endgültig auf.

Kooperation mit Käfer als letzter Hoffnungsschimmer

Auf mehreren Produkten der Halberstädter Konserven GmbH sollte bald das Label „Käfer“ prangen. Durch die Kooperation mit dem Münchner Feinkosthaus sollten Spezialitäten aus dem Harz bei einer anspruchsvollen Kundschaft landen. Im Bio- und Geflügel-Segment wollte man wachsen, hieß es noch im Januar. Sprecherin Silke Erdmann-Nitsch betonte jedoch bereits damals gegenüber BILD: „Ein steiniger Weg liegt noch vor uns.“ Denn die Würstchen-Firma hatte sich gerade erst aus der zweiten Insolvenz befreit. Vieles stand auf wackeligen Füßen. Nicht alles gelang. Schließlich die traurige Nachricht aus Sachsen-Anhalt: „Die Unternehmerfamilie hat entschieden. Der Produktionsbetrieb in Halberstadt soll samt Marke verkauft werden.“

Ältestes Konservenwürstchen der Welt ist bedroht

Damit geht eine Ära zu Ende. Unmittelbar nach der Wende übernahm Ulrich Nitsch (87) aus Niedersachsen das älteste Konservenwürstchen der Welt – und eins der beliebtesten obendrein. In der DDR zählte die kamingeräucherte Leckerei zur sogenannten Bückware. Halberstädter Würstchen waren fast nur unter dem Ladentisch zu bekommen. Seit 35 Jahren gibt es die Produkte bei Lebensmittelriesen wie Edeka und Kaufland.

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Betrieb kann nicht finanziert werden

Jetzt sagt Unternehmenssprecherin Erdmann-Nitsch zu BILD: „Die Finanzierung des Betriebs ist schwierig. Wir müssen immer in Vorleistung gehen. Trotz überwundener Insolvenz fehlt es an Kapital.“ Es sei auch schwer, sich gegen die Zusammenschlüsse in der Lebensmittelbranche wie auch von Produktionsbetrieben zu behaupten. „Einzelne mittelständische Unternehmen stoßen heute zu schnell an ihre Grenzen.“ Die Familie will einen Käufer für ihr Unternehmen finden. In einer Mitteilung heißt es: „Da der Konservenbetrieb sehr leistungsstark und erweiterungsfähig ist, eignet er sich für die Bevorratung, eventuell Belieferung der Bundeswehr auch europaweit.“ Die Lage in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof und zu Mercedes Truck sei gut, die Kooperation mit Käfer angelaufen.

Wie es für die Mitarbeiter weitergeht

Hoffnungsschimmer für die rund 150 Angestellten: Das Halberstädter Würstchen ist ein Lebensmittel mit geschützter geografischer Herkunft. Silke Erdmann-Nitsch zu BILD: „Wer die Fabrik kauft, übernimmt sie als Ganzes und an ihrem Standort. Wir werden dafür Sorge tragen, dass es für die Mitarbeiter weitergeht. Jeder wird gebraucht, alle sind Fachkräfte.“ Auch die Maschinen seien modern, es gebe keinen Investitionsstau: „Wir sind bereits in Gesprächen mit potenziellen Käufern. Das Interesse ist da.“

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