Microsofts Gaming-Sparte Xbox steht vor der „bedeutendsten Umstrukturierung“ ihrer Geschichte. Xbox-Chefin Asha Sharma kündigte am Montag in einer internen Nachricht an, dass im Laufe des Geschäftsjahres 2027 insgesamt 3200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen werden sollen. Davon fallen 1600 Stellen bereits jetzt weg. Laut einem Bericht von „CNBC“ betrifft der geplante Jobabbau etwa ein Fünftel aller Xbox-Stellen.
Margen drei- bis zehnmal niedriger als bei Wettbewerbern
„Unserem Geschäft geht es zurzeit nicht gut“, schrieb Sharma in ihrem Rundschreiben. Sie beklagte, dass die Margen von Xbox drei- bis zehnmal niedriger seien als bei vergleichbaren Plattform- und Publishing-Unternehmen. Projekte wie die Spieleflatrate Game Pass und die Multiplattformstrategie bei Spiele-Veröffentlichungen hätten weniger Wachstum als erwartet gebracht. Hinzu komme die schwerste Hardware-Krise der Branchengeschichte, die Sharma unter anderem auf massiv angestiegene RAM-Preise zurückführt.
Vier Studios werden abgestoßen
Im Rahmen der Umstrukturierung trennt sich Xbox von vier Studios: Ninja Theory (bekannt für „Senua’s Saga: Hellblade II“), Undead Labs („State of Decay 2“), Compulsion Games („We Happy Few“) und Double Fine Productions („Keeper“). Während Compulsion Games und Double Fine Productions als unabhängige Indie-Studios weitergeführt werden, erhalten Ninja Theory und Undead Labs neue Eigentümer. Bei Arkane Studios („Deathloop“) ist noch unklar, ob das Studio bei Xbox bleibt oder ebenfalls neu aufgestellt wird.
Flachere Hierarchien und neue Führungsstruktur
Sharma kündigte zudem eine flachere Organisationsstruktur an. Aus teils bis zu 14 Management-Ebenen sollen künftig drei bis fünf werden. Neu eingeführt wird die Position des Chief Operating Officers (COO). Diese übernimmt Helen Chiang, die künftig für Inhalte, Hardware, Plattform und Dienste verantwortlich ist und direkt an Sharma berichtet. Chiang wird die Gesamtverantwortung über die Gewinn-und-Verlust-Rechnung tragen.
Schmerzhafte Veränderungen mit Blick auf die Zukunft
„Ich weiß, dass dies schmerzhaft ist“, schrieb Sharma zu den Umstrukturierungen. Viele Mitarbeiter seien durch Übernahmen zu Xbox gekommen oder hätten sich bewusst für das Unternehmen entschieden. Trotz der Einschnitte verspricht die Xbox-Chefin eine glorreiche Zukunft: „Bei diesen Veränderungen geht es um eine größere Zukunft für Xbox, nicht um eine kleinere. Das nächste Jahrzehnt des Gamings wird größer, globaler und kreativer sein als alles, was wir bisher gesehen haben.“ Xbox werde investieren „wie nie zuvor“, aber gezielter, disziplinierter und klarer als bisher.
Hintergrund: Kostspielige Übernahmen und ausbleibende Hits
Microsoft hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Entwicklerstudios übernommen, um die Xbox-Marke zu stärken. Der teuerste Zukauf war die Übernahme von Activision Blizzard im Jahr 2023 für knapp 69 Milliarden Dollar. Doch die Anzahl wirklich großer Spielehits aus den hauseigenen Studios blieb überschaubar. Mit der nun angekündigten „Gesundschrumpfung“ soll Xbox wieder auf profitablen Kurs gebracht werden.



