Der deutsche Polstermöbelhersteller Himolla mit Sitz im bayerischen Taufkirchen hat ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren beantragt. Das 1948 gegründete Unternehmen, das zu den größten Polstermöbelwerken Europas zählt, beschäftigt in Deutschland rund 850 Mitarbeiter, deren Zukunft nun ungewiss ist. Himolla produziert langlebige und qualitativ hochwertige Sofas, Relax-Sessel und Wohnlandschaften.
Gründe für die finanzielle Schieflage
Laut Angaben auf der Unternehmenswebsite ist die anhaltend schwierige Marktlage der Hauptgrund für den Schritt. Die Möbelindustrie leidet unter einer schwachen Konsumlaune, einer stockenden Bautätigkeit und einem harten Preiswettbewerb aus Niedriglohnländern. Himolla selbst habe sich dem Abschwung nicht entziehen können. Zwar seien die Marktanteile stabil geblieben, doch die bisherigen Sanierungsschritte hätten die Umsatzrückgänge und Verluste nicht auffangen können.
Schutzschirmverfahren und Sanierungsteam
Mit dem Schutzschirmverfahren will sich Himolla (der Name steht für „himmlisch, mollig, angenehm") neu aufstellen. Zum Sanierungsteam gehören Sanierungsgeschäftsführer Tillmann Peeters von Falkensteg sowie Berater von DMR Legal. Als vorläufiger Sachwalter wurde Arndt Geiwitz von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz eingesetzt. Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter, alle Aufträge sollen wie geplant abgewickelt werden.
Krise in der deutschen Möbelbranche
Die deutsche Möbelindustrie steckt tief in der Krise. Nach Insolvenzen von Unternehmen wie Hülsta, König + Neurath und Interlübke setzte die Branche im vergangenen Jahr rund 15,8 Milliarden Euro um – 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders die Hersteller von Polstermöbeln kämpfen mit einer schwachen Nachfrage. In den ersten beiden Monaten des Jahres gingen ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent zurück, wie die WirtschaftsWoche berichtet.
Betroffene Standorte und Mitarbeiter
Die Himolla-Gruppe beschäftigt insgesamt mehr als 2000 Mitarbeiter, davon rund 850 in Taufkirchen. Der Möbelhersteller ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Erding. Für Juni, Juli und August erhalten die deutschen Mitarbeiter Insolvenzgeld. Zuletzt erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von knapp 190 Millionen Euro. Das Schutzschirmverfahren betrifft zunächst nur die deutsche Gesellschaft. Die Standorte in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn sind laut WirtschaftsWoche nicht unmittelbar betroffen.
Rettung trotz Insolvenz möglich
Dass eine Rettung trotz Insolvenz gelingen kann, zeigt der Büromöbelhersteller OKA. Laut einem Bericht der Sächsischen Zeitung fand der Insolvenzverwalter dort zwei Käufer aus dem Kundenkreis. Die neuen Eigentümer führen das Unternehmen unter neuem Namen weiter und wollen die bekannten hochwertigen OKA-Büromöbel auch künftig produzieren.



