Ein 34-jähriger Wiederverkäufer aus Norddeutschland hat gegenüber BILD exklusiv Einblicke in den lukrativen Handel mit illegalen IPTV-Zugängen gegeben. Der Mann, der anonym bleiben möchte, berichtet von einem Millionengeschäft, das auf dem Rücken der legalen Streaming-Anbieter aufgebaut ist.
So wirbt der IPTV-Dealer seine Kunden an
Der Dealer erklärt, dass er seine Kunden hauptsächlich über soziale Medien, Foren und persönliche Empfehlungen akquiriert. Er bietet monatliche Abos für illegale IPTV-Dienste an, die Zugang zu einer Vielzahl von Pay-TV-Sendern und Streaming-Diensten zu einem Bruchteil des regulären Preises ermöglichen. Die Preise liegen oft bei nur 10 bis 15 Euro pro Monat, während legale Abos ein Vielfaches kosten.
Besonders effektiv sei die Ansprache über geschlossene Facebook-Gruppen und Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram. Dort werden gezielt Angebote platziert und auf die Ersparnis gegenüber legalen Abos hingewiesen. Der Dealer betont, dass die Nachfrage enorm sei, da viele Verbraucher die hohen Kosten für mehrere Streaming-Abos scheuen.
Die Umsätze: Millionen im Jahr
Der 34-Jährige beziffert seine Einnahmen auf einen sechsstelligen Betrag pro Jahr. In Spitzenzeiten habe er mehrere tausend Kunden betreut. Hochgerechnet auf den gesamten Markt der illegalen IPTV-Dienste sprechen Branchenkenner von einem Milliardenmarkt. Der Dealer gibt an, dass er sein Geschäft von zu Hause aus betreibt und nur geringe laufende Kosten hat. Die Hauptinvestition sei die einmalige Anschaffung der Server-Infrastruktur und die laufende Aktualisierung der Zugangsdaten.
Er beschreibt, dass er die IPTV-Zugänge von einem Großhändler bezieht, der die Server betreibt. Er selbst ist nur der Vermittler und kümmert sich um den Vertrieb und den Kundenservice. Diese Arbeitsteilung macht es für die Behörden schwierig, die Verantwortlichen zu ermitteln.
Wie Streaming-Anbieter gegen die Piraterie vorgehen
Die legalen Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon Prime und Sky kämpfen mit technischen Maßnahmen und rechtlichen Schritten gegen die Piraterie. Sie setzen auf DRM-Systeme und die Überwachung von illegalen Streams. Zudem arbeiten sie eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen, um die Betreiber solcher Dienste zu identifizieren und abzumahnen.
Der Dealer zeigt sich jedoch unbeeindruckt: „Die Anbieter können nicht alles blockieren. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, und wir sind immer einen Schritt voraus“, zitiert BILD den Mann. Er verweist darauf, dass er seine Server regelmäßig wechselt und verschlüsselte Verbindungen nutzt, um der Strafverfolgung zu entgehen.
Rechtliche Konsequenzen und Risiken
Illegales Streaming ist in Deutschland eine Straftat. Wer IPTV-Dienste anbietet oder nutzt, macht sich strafbar. Auf den Verkauf von illegalen Zugängen stehen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen. Auch die Nutzer können abgemahnt werden und müssen mit Schadensersatzforderungen der Rechteinhaber rechnen.
Trotz der Risiken sieht der Dealer kein Ende seines Geschäfts. Er argumentiert, dass die Nachfrage weiter steigen werde, solange die legalen Angebote zu teuer seien. Er plant, sein Geschäft auszubauen und weitere Vertriebswege zu erschließen.



