Fortuna Düsseldorf beginnt die neue Saison in der 3. Liga – erstmals seit 17 Jahren. Der Traditionsverein aus Nordrhein-Westfalen will mit dem Motto der Toten Hosen „Steh auf, wenn du am Boden bist“ die schwere Zeit nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga meistern. Die Fanszene ruft mit diesem prägenden Satz der Düsseldorfer Rock-Band zum Kauf von Dauerkarten und zur Unterstützung in schwierigen Zeiten auf.
Abstieg hinterlässt tiefe Spuren
Der Abstieg hat tiefe Spuren hinterlassen: Nur sieben Profis aus dem Zweitliga-Kader blieben, da die meisten Spieler keinen Vertrag für die 3. Liga besaßen. Top-Stürmer Cedric Itten, Eigengewächs Shinta Appelkamp und Identifikationsfigur Florian Kastenmeier mussten den Verein verlassen. Die finanziellen Ausmaße des Falls aus dem System der 36 besten deutschen Klubs machte der damalige Sportvorstand Sven Mislintat kurz nach dem Abstieg deutlich.
„Das Fernsehgeld sinkt drastisch von etwa 17 Millionen auf 1,2 Millionen plus einen kleinen Rettungsanker. Das ist ein Verlust von 14 Millionen Euro“, sagte Mislintat. „Der Kaderwert ist massiv gesunken. Wir können nichts schönreden: Wir haben einen riesigen Job vor uns.“
Neuer Sportvorstand übernimmt
Diesen Job sollte Mislintat jedoch nicht mehr ausführen. Kurz nach dem Abstieg wurde Samir Arabi als neuer Sportvorstand vorgestellt. Arabi hatte 2011 die sportliche Leitung bei Arminia Bielefeld in einer ähnlichen Situation übernommen. Der 47-Jährige führte die Bielefelder damals aus der 3. Liga zurück in die Bundesliga, ehe er sich im März 2023 aus Bielefeld verabschiedete.
Personelle Einschnitte gab es nicht nur im Profi-Kader und auf der Führungsebene. Mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden entlassen, darunter auch die Angestellten des legendären Fortuna-Fanshops am Flinger Broich, der aus finanziellen Gründen geschlossen werden musste.
Vereinsführung zeigt Betroffenheit
„Es tut mir und uns von Herzen leid, dass wir diesen Schnitt machen müssen, zum Erhalt dieses Vereins“, sagte der sichtlich betroffene Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst zu den Entlassungen. „All diejenigen können gar nichts für den Abstieg.“
Getreu dem Tote-Hosen-Motto geht es nach all den Rückschlägen darum, sich aufzurichten. Arabi verpflichtete mit Innenverteidiger Dominique Heintz vom 1. FC Köln, Stürmer Fabian Schleusener und Mittelfeldspieler Philipp Förster (beide Karlsruher SC) erfahrene und ablösefreie Spieler. Insgesamt kamen 15 Neue nach Düsseldorf, zudem rücken Jugendspieler auf.
Identifikationsfiguren bleiben
Einige bekannte Gesichter sind geblieben: Cheftrainer Alexander Ende und Defensivspieler Matthias Zimmermann gehen mit der Fortuna in die neue Saison. Vor seiner neunten Saison zeigt sich der 34-Jährige optimistisch. „Ich glaube, dass die Mannschaft hier gut zusammengestellt ist“, meinte der gebürtige Karlsruher. Die neu formierte Mannschaft habe die nötige Qualität, in der 3. Liga seien aber auch Einsatz und Leidenschaft entscheidend.
Der Rückhalt ist trotz des Abstiegs groß: 19.000 Fans bestellten für die 3. Liga eine Dauerkarte, nur 1500 weniger als in der Vorsaison. Auch die Stadt unterstützt: Die Miete für das städtische Stadion wurde zur neuen Saison etwa um die Hälfte reduziert, was Fortuna knapp 700.000 Euro spart.
Auftakt und brisante Duelle
Zum Saisonauftakt reisen die Düsseldorfer am Freitag zu Waldhof Mannheim, der Gästeblock ist ausverkauft. Traditionsreich geht es auch in den Landesduellen mit dem MSV Duisburg (5. Spieltag) und Rot-Weiß Essen (18. Spieltag) zu. Doch zur neuen Realität gehören auch Partien gegen den TSV Havelse, die SG Sonnenhof Großaspach und Spiele im Niederrheinpokal auf Amateurplätzen. Das erste Drittliga-Heimspiel klingt wenig glamourös: Am 15. August gastiert die Zweitvertretung der TSG Hoffenheim in der Merkur-Spiel-Arena.



