Die versteckte Gefahr im Kinderdepot
Immer mehr Eltern eröffnen für ihre Kinder ein Depot, um frühzeitig Vermögen aufzubauen und dabei Steuervorteile zu nutzen. Doch was zunächst wie eine clevere Idee klingt, kann sich schnell als Familienfalle entpuppen. Denn die steuerlichen Regeln sind komplex und bergen Fallstricke, die Eltern teuer zu stehen kommen können.
Wie funktioniert ein Kinderdepot?
Ein Kinderdepot ist ein Wertpapierdepot, das auf den Namen des Kindes läuft. Die Eltern verwalten es in der Regel bis zur Volljährigkeit. Der Vorteil: Das Kind hat einen eigenen Steuerfreibetrag von 11.904 Euro (Stand 2025) für Kapitaleinkünfte. Solange die Erträge unter diesem Betrag bleiben, fallen keine Steuern an. Zudem können Eltern die Freistellungsaufträge des Kindes nutzen.
Die Familienfalle: Wenn das Kind zum Steuerzahler wird
Das Problem beginnt oft, wenn die Erträge aus dem Depot den Freibetrag überschreiten. Dann muss das Kind eine Steuererklärung abgeben. Viele Eltern unterschätzen diesen Aufwand. Hinzu kommt: Wenn die Eltern dem Kind Geld schenken, kann dies als Schenkung gewertet werden, die unter Umständen der Schenkungssteuer unterliegt. Der Freibetrag für Schenkungen an Kinder beträgt 400.000 Euro alle zehn Jahre – das ist zwar hoch, aber bei größeren Beträgen kann es dennoch eng werden.
Weitere Risiken: Auswirkungen auf BAföG und Krankenversicherung
Ein weiterer Fallstrick: Ein hohes Depotvermögen des Kindes kann den Anspruch auf BAföG oder andere Sozialleistungen schmälern. Auch die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung ist gefährdet. Denn das Kind ist nur bis zu einem bestimmten Einkommen beitragsfrei mitversichert. Überschreitet das Depot-Einkommen die Grenze, muss sich das Kind selbst versichern – ein teurer Fehler.
Was Eltern tun können
Um in die Falle zu tappen, sollten Eltern folgende Tipps beachten:
- Freibeträge im Blick behalten: Überwachen Sie die Erträge des Kinderdepots, damit der Steuerfreibetrag nicht überschritten wird.
- Steuererklärung nicht vergessen: Wenn der Freibetrag überschritten wird, muss eine Steuererklärung für das Kind abgegeben werden. Lassen Sie sich ggf. von einem Steuerberater helfen.
- Schenkungen richtig planen: Nutzen Sie die Freibeträge für Schenkungen und verteilen Sie größere Beträge auf mehrere Jahre.
- BAföG und Krankenversicherung prüfen: Rechnen Sie durch, ob das Depot Auswirkungen auf Förderungen oder Versicherungsstatus hat. Gegebenenfalls ist es besser, das Depot aufzulösen oder die Erträge zu begrenzen.
Alternativen zum Kinderdepot
Wer die Risiken scheut, kann auf andere Anlageformen setzen. Dazu gehören:
- Festgeld oder Tagesgeld auf den Namen des Kindes: Hier sind die Erträge meist niedriger, aber auch die Steuerlast geringer.
- Bausparverträge: Diese sind steuerlich weniger komplex und bieten staatliche Förderung.
- Fonds oder ETFs im eigenen Depot: Eltern können Geld für das Kind anlegen, ohne ein separates Depot zu eröffnen. Allerdings unterliegen die Erträge dann der eigenen Steuer.
Fazit
Ein Kinderdepot kann eine sinnvolle Geldanlage sein, aber nur, wenn man die steuerlichen und sozialrechtlichen Fallstricke kennt. Wer die Regeln beachtet, kann seinem Kind einen guten Start ins Erwachsenenleben ermöglichen. Wer sie ignoriert, riskiert böse Überraschungen. Lassen Sie sich daher vor der Eröffnung eines Kinderdepots umfassend beraten.



