Die Deutschen geben immer mehr Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. Im vergangenen Jahr kauften sie rund 415 Millionen Packungen – doppelt so viele wie 2022. Glatte Haut, kräftige Muskeln oder weniger Erschöpfung: Die Versprechungen klingen verlockend. Doch die Berliner Verbraucherzentrale warnt: Nicht jedes Produkt hält, was es verspricht. Eine Kolumne von Markus Kamrad zeigt an drei Beispielen, worauf Verbraucher achten sollten.
Vitamin D: Sinnvoll bei Mangel, aber nicht für alle
Vitamin D ist in aller Munde. Besonders bei älteren Menschen und bestimmten Gruppen kann eine Supplementierung sinnvoll sein, auch aufgrund veränderter Lebensweisen. Viele Menschen decken ihren Bedarf jedoch durch eine ausgewogene Ernährung und moderate Sonnenexposition. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, den Vitamin-D-Spiegel beim Arzt bestimmen zu lassen und nur nach ärztlicher Empfehlung zu supplementieren. Gegen präventive Dosen bis zu etwa 20 µg pro Tag sei im Regelfall nichts einzuwenden.
Kreatin: Nur für Kraftsportler sinnvoll
Kreatin ist bei Kraftsportlern beliebt und soll leistungssteigernd wirken. Tatsächlich lässt sich eine leichte Verbesserung der Muskelkraft und ein moderates Muskelwachstum belegen – allerdings im Vergleich zu Trainingseffekten überschaubar. Fraglich ist, ob auch Menschen ohne Kraftsport profitieren. Der Körper produziert Kreatin selbst in Bauchspeicheldrüse, Nieren und Leber und nimmt es über die Nahrung auf, besonders über Fisch und Fleisch. Es gibt Hinweise auf positive Effekte auf das Gehirn, aber die Datenlage ist nicht belastbar. Daher ist Kreatin nur für eine sehr eingrenzbare Gruppe sinnvoll.
Kollagendrinks: Keine nachgewiesene Wirkung auf Falten
Anders sieht es bei Kollagendrinks aus, die gegen Falten und für glatte Haut beworben werden. Kollagen ist ein körpereigenes Bindegewebseiweiß. In Nahrungsergänzungsmitteln wird meist Kollagenhydrolysat verwendet, gewonnen aus Schlachtabfällen von Schweinen und Rindern. Die Werbung mit Hautglättung und Faltenreduktion ist für Nahrungsergänzungsmittel zu Recht verboten, da belastbare Belege fehlen. Die Verbraucherzentrale rät stattdessen zu Sonnenschutz, Verzicht auf Rauchen und einer ausgewogenen Ernährung mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Vitamin-C-reichem Obst und Gemüse wie Kiwi oder Paprika. Diese Nahrungsmittel unterstützen die körpereigene Kollagenbildung und tun ganzheitlich gut.
Fazit: Nahrungsergänzungsmittel gezielt einsetzen
Die Verbraucherzentrale Berlin empfiehlt, Nahrungsergänzungsmittel nur nach ärztlicher Absprache und bei nachgewiesenem Mangel einzunehmen. Für die meisten Menschen reicht eine ausgewogene Ernährung aus, um den Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zu decken. Werden Supplemente dennoch verwendet, sollte man auf seriöse Hersteller und geprüfte Qualität achten. Die hohen Ausgaben für Nahrungsergänzungsmittel sind oft unnötig – und in manchen Fällen sogar riskant.



