Das zweite Halbjahr 2026 bringt zahlreiche Neuerungen für Verbraucher. Rentner erhalten mehr Geld, Flugtickets werden steuerlich entlastet, und das Bürgergeld wird durch die strengere Grundsicherung ersetzt. Gleichzeitig steigen die Kosten für Online-Shopping aus Nicht-EU-Ländern, und der Kölner Dom führt einen Eintrittspreis ein. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen ab 1. Juli.
Renten steigen um 4,24 Prozent
Mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können sich ab Juli über höhere Bezüge freuen. Die jährliche Rentenanpassung orientiert sich an der Lohnentwicklung und beträgt in diesem Jahr 4,24 Prozent. Wer beispielsweise eine monatliche Rente von 1000 Euro bezieht, erhält rund 42,40 Euro mehr. Die Anpassung gilt für alle Rentenarten, einschließlich der gesetzlichen Altersrente und Erwerbsminderungsrenten.
Steuererklärung mit einem Klick
Ab dem 1. Juli wird die Steuererklärung für bestimmte Personengruppen deutlich einfacher: Die App „MeinElster+“ ermöglicht eine Steuererklärung mit nur einem Klick. In der ersten Ausbaustufe können rund 11,5 Millionen Menschen davon profitieren, darunter ledige kinderlose Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre. Die Finanzämter stellen auf Basis bereits vorhandener Daten einen vorausgefüllten Steuerbescheid bereit, der nach Prüfung direkt abgesendet werden kann. Die Steuererklärung für das Jahr 2025 muss bis zum 31. Juli 2026 eingereicht werden. Wer steuerliche Beratung in Anspruch nimmt, hat bis zum 30. April 2027 Zeit.
Aus Bürgergeld wird Grundsicherung
Die bisherige Bezeichnung Bürgergeld wird durch den Begriff Grundsicherungsgeld ersetzt. Die Höhe der Sozialleistung bleibt unverändert, jedoch treten strengere Regeln in Kraft. So wird die sogenannte Karenzzeit abgeschafft, in der Leistungsbezieher mehr Vermögen behalten durften. Künftig müssen Empfänger Vermögen oberhalb der Freibeträge zunächst für den Lebensunterhalt einsetzen, bevor sie Grundsicherungsgeld erhalten. Zudem sind Totalsanktionen möglich, wenn Auflagen nicht erfüllt werden.
Ticketsteuer sinkt – Flugpreise ungewiss
Die Luftverkehrsabgabe wird zum 1. Juli gesenkt. Der Bundestag hatte die entsprechende Gesetzesänderung im Mai verabschiedet. Die Steuerermäßigung beträgt je nach Streckenlänge zwischen 2,50 Euro und 11,40 Euro pro Flug. Konkret sinkt die Abgabe auf Kurzstrecken von 15,53 Euro auf 13,03 Euro, auf Mittelstrecken von 39,34 Euro auf 33,01 Euro und auf Langstreckenflügen von 70,83 Euro auf 59,43 Euro. Ob die Airlines diese Ersparnis an die Kunden weitergeben, ist angesichts stark gestiegener Kerosinpreise fraglich.
Onlineshopping aus Nicht-EU-Ländern wird teurer
Wer Waren aus Ländern außerhalb der EU bestellt, muss ab Juli mit höheren Kosten rechnen. Für Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro wird eine pauschale Zollgebühr von drei Euro pro Warenkategorie fällig, zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer. Hinzu kommen oft Servicepauschalen der Versanddienstleister. Die Verbraucherzentrale Berlin nennt ein Beispiel: Eine Handyhülle für sieben Euro könne so am Ende knapp 20 Euro kosten. Innerhalb der EU entfallen Steuern und Zölle grundsätzlich, mit Ausnahmen für Kaffee, Alkohol und Tabakwaren.
Kölner Dom verlangt Eintritt
Besucher des Kölner Doms müssen ab dem 1. Juli zwölf Euro Eintritt zahlen. Die Einnahmen sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und Betrieb des Weltkulturerbes decken. Es gibt Ausnahmen: An bestimmten Tagen bleibt der Dom kostenfrei, und Gottesdienstbesucher sowie Betende sind weiterhin von der Gebühr befreit.
Punktehandel im Straßenverkehr wird strafbar
Der Handel mit Punkten in Flensburg wird ab Juli ausdrücklich verboten. Paragraf 4c des Straßenverkehrsgesetzes untersagt die Abwälzung von Punkten auf andere Personen. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 30.000 Euro geahndet werden, auch Versuche sind strafbar.
Leichterer Abschuss von Wölfen
Der Wolf wird ins Bundesjagdgesetz aufgenommen und ist damit jagdbar. Die Länder können die Jagd in Regionen erlauben, in denen der Wolf einen günstigen Erhaltungszustand aufweist. Die Jagdzeit ist vom 1. Juli bis 31. Oktober festgelegt. Wenn Wölfe Weidetiere gerissen haben, dürfen sie unabhängig von Erhaltungszustand und Jagdzeit geschossen werden. Zudem können Länder Gebiete ausweisen, in denen die Jagd erforderlich ist, um Weidetiere zu schützen.
Pflege-Mindestlöhne steigen
Die Mindestlöhne in der Altenpflege werden in mehreren Schritten erhöht. Zum 1. Juli steigt der Stundenlohn für Pflegehilfskräfte von 16,10 Euro auf 16,52 Euro. Weitere Anhebungen folgen in den kommenden Jahren.



