Tankrabatt endet am 30. Juni: Preissprung am 1. Juli mittags erwartet
Tankrabatt endet: Preissprung am 1. Juli mittags

Die temporäre Steuersenkung auf Kraftstoffe, der sogenannte Tankrabatt, endet am 30. Juni 2026. Ab dem 1. Juli gilt wieder der reguläre Steuersatz, was voraussichtlich zu einem deutlichen Anstieg der Spritpreise führen wird. Der Kraftstoffmarktexperte des ADAC, Christian Laberer, warnt: „Es ist zu befürchten, dass die Preise in etwa um diese Summe nach oben gehen werden.“ Gemeint sind 16,7 Cent pro Liter inklusive Mehrwertsteuer.

Wann genau steigen die Preise?

Eine Besonderheit ergibt sich aus der sogenannten 12-Uhr-Regel: Preiserhöhungen sind nur mittags erlaubt, nicht um Mitternacht. Da das Wirtschaftsministerium keine Ausnahme für das Ende des Tankrabatts vorgesehen hat, wird der große Preissprung voraussichtlich am 1. Juli mittags erfolgen. Einzelne Tankstellen könnten jedoch bereits am 30. Juni mittags die Preise anheben oder am Nachmittag langsamer senken. Entscheidend für die Steuer ist nicht der Verkaufszeitpunkt, sondern der Zeitpunkt der Lieferung an die Tankstelle. Daher dürften die meisten Tankstellen am Vormittag des 1. Juli noch steuerlich verbilligten Sprit haben. Laberer hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Preise erst in den ersten Juli-Tagen steigen, basierend auf Erfahrungen mit dem ersten Tankrabatt im Jahr 2022.

Kosten und Weitergabe des Tankrabatts

Der Bund schätzt die Kosten des Tankrabatts auf rund 1,6 Milliarden Euro, wie das Finanzministerium mitteilte. Die endgültige Summe wird erst in Monaten feststehen. Die von der Koalition eingesetzte Taskforce begründete das Auslaufen unter anderem mit den Kosten. „Der Steuereuro kann nur einmal ausgegeben werden“, sagte der CDU-Politiker Sepp Müller, einer der Leiter der Taskforce. „Deshalb investieren wir ihn lieber in eine Einkommensteuerreform, die dauerhaft entlastet.“ Die Reform soll zum 1. Januar 2027 wirken, Details sind aber noch offen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Ob der Steuerrabatt vollständig an die Verbraucher weitergegeben wurde, ist umstritten. Der Branchenverband en2x versichert, dies sei geschehen. Die Monopolkommission und das Ifo-Institut stellten hingegen Defizite fest. Auf Basis der ersten sechs Wochen schätzt die Monopolkommission, dass konservativ gerechnet etwa 100 bis 200 Millionen Euro an Steuerentlastungen nicht bei den Verbrauchern ankamen. Bei Diesel war die Weitergabe etwas schlechter als bei Benzin.

Was bringt der Tankrabatt einem typischen Autofahrer?

Der finanzielle Effekt ist begrenzt. Einem typischen Dieselfahrer mit 17.000 Kilometern pro Jahr und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometern hätte der Rabatt bei vollständiger Weitergabe rechnerisch rund 33 Euro gebracht – bei geschicktem Tanken vielleicht einige Euro mehr. Bei einem typischen Benziner mit 9.500 Kilometern und 8 Litern auf 100 Kilometern wären es 21 Euro.

Empfehlungen zum Tanken und Ausblick

ADAC-Experte Laberer rät: „Auf jeden Fall noch im Juni und am späten Vormittag tanken.“ Da es kurz vor dem täglichen Preissprung um 12 Uhr zu Schlangen kommen könnte, solle man nicht zu knapp kalkulieren. „Mit dem 29. Juni ist man wahrscheinlich auf der sicheren Seite.“

Neue Entlastungen nach dem Tankrabatt sind zunächst nicht geplant. Laut einer YouGov-Umfrage befürworten 49 Prozent der Befragten weitere Erleichterungen, 21 Prozent sind eher dafür. Die Taskforce will die Preisentwicklung beobachten. „Ändert sich die Lage ab 1. Juli dramatisch, können wir schnell reagieren“, so Müller. Mögliche Maßnahmen wären eine temporäre Anhebung der Pendlerpauschale oder eine Senkung der Dieselsteuer für die Güter- und Logistikbranche. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erteilte Forderungen nach einem staatlichen Spritpreisdeckel eine Absage. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn hält hingegen „die Einführung eines Spritpreisdeckels nach Luxemburger Vorbild für sinnvoll“ und fordert eine Begrenzung der Gewinnmargen der Mineralölwirtschaft.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Fazit: positive Bilanz trotz Kritik

Müller zieht ein positives Fazit: „Der Tankrabatt war von Anfang an als zeitlich begrenzte Maßnahme konzipiert. Ziel war, in der Zeit rasanter Preissteigerungen schnell zu entlasten. Das hat funktioniert.“ Auch Zorn verweist darauf, dass der Rabatt die Inflation gedämpft habe. Laberer ergänzt: „Es ist gut, dass die Autofahrer besonders in der Zeit der hohen Preise direkt entlastet wurden.“ Allerdings gab und gibt es Kritik von Wirtschaftswissenschaftlern: Die Maßnahme sei sozial nicht ausgewogen, schlecht für die Umwelt und dämpfe die sinnvolle Wirkung der hohen Preise auf den Verbrauch.