Preisdeckel in Tschechien endet – Sprit bleibt günstiger
Der staatliche Preisdeckel für Benzin und Diesel in Tschechien ist nach mehr als drei Monaten ausgelaufen. Dennoch zieht es weiterhin viele Sachsens Autofahrer zum Tanken über die Grenze, wie dpa-Reporter beobachteten. An Tankstellen in Grenznähe bildeten sich lange Schlangen mit Wartezeiten von bis zu 20 Minuten. Die Preisunterschiede zu Deutschland bleiben deutlich.
Nur geringe Preiserhöhungen nach Deckel-Ende
An vielen Tankstellen stiegen die Preise nur geringfügig um umgerechnet wenige Eurocent, berichtete die Agentur CTK. Mit etwas stärkeren Erhöhungen wird Experten zufolge an stark frequentierten Orten wie Autobahn-Raststätten gerechnet. Der Preisdeckel war Anfang April als Reaktion auf die Energiekrise infolge des Iran-Kriegs verabschiedet worden. Die zulässigen Höchstpreise lagen zuletzt bei 43,41 Kronen (etwa 1,79 Euro) pro Liter Benzin und 42,13 Kronen (rund 1,74 Euro) pro Liter Diesel.
Autofahrer berichten von Ersparnissen bis zu 60 Cent pro Liter
Thilo Küpper ist rund 45 Kilometer angereist, um seinen Tank zu füllen. „Ich habe es an der Tankstelle bei uns gesehen. Da sind sie zurzeit bei 2,39 bis 2,40 Euro für E10 und da komme ich hier bestimmt 50, 60 Cent preiswerter“, sagte er. Julian Schenderlein fährt Diesel und spart ebenfalls kräftig: „Hier sind es jetzt 1,55 Euro, bei uns in Dresden 2,20 Euro, 2,30 Euro ungefähr.“ Er sei eigentlich aus einem anderen Grund nach Tschechien gekommen und habe die Gelegenheit direkt genutzt. „Es lohnt sich auf jeden Fall hierherzufahren. Man spart natürlich anständig, gerade bei den Preisen jetzt in Deutschland.“
Regelmäßige Tankfahrten und Kombination mit Einkauf
Manfred aus Heidenau ist überzeugt: Trotz der 40 bis 50 Kilometer Anfahrtsweg hat es sich für ihn gelohnt. „Wenn ich hier volltanke, spare ich mir gegenüber Deutschland 30 Euro.“ Für ihn ist das Grund genug, einmal pro Monat über die Grenze zu fahren. Dieter Geißler nimmt die Fahrt aus Dresden regelmäßig auf sich und verbindet das Tanken mit einem Einkauf im Supermarkt. „Die Qualität ist hier genauso gut wie in Deutschland, was viele vergessen. Und wenn sich das dann anbietet, 50 Cent beim Tanken zu sparen pro Liter, na gerne“, sagte er.
Kritik an deutschen Spritpreisen und Politik
Die großen Preisunterschiede sieht Geißler kritisch. Es könne nicht sein, dass rings um Deutschland überall alles billiger sei. „Die Multis machen sich die Taschen voll. Die Bundesnetzagentur tut nix. Die Regierung tut nix“, findet er. Felix aus Dresden urteilte ähnlich: „Wir sind hier tanken, weil die Spritpreise in Deutschland ein scheiß Witz sind. Überall in den Nachbarländern könne man günstiger tanken, Deutschland sei falsch abgebogen.“
Tschechische Regierung rechtfertigt Ende des Preisdeckels
Vertreter des Tankstellengewerbes hatten die Maßnahme von Anfang an als einen „unglücklichen“ und „unnötigen“ Schritt kritisiert. Finanzministerin Alena Schillerova teilte mit: „Die Preisregulierung habe ihren Zweck erfüllt, die Gründe dafür seien aber inzwischen entfallen.“ Man kehre zum Marktmechanismus zurück. „Ich möchte aber allen versichern, dass wir den Markt nicht ohne Aufsicht lassen. Bei jeglichen Anzeichen von Anomalien und Missbrauch sind wir bereit, erneut einzugreifen.“
Tankstellennetz in Tschechien
Tschechien verfügt über ein dichtes Tankstellen-Netz. Die größten Betreiber sind der polnische Orlen-Konzern und das ungarische Unternehmen Mol. Der Staatsbetrieb Cepro betreibt zudem 209 Tankstellen unter der Marke Eurooil und 75 unter der Marke Robin Oil.



