Eine repräsentative YouGov-Umfrage zeigt: Die Deutschen sind in der Frage nach häufigeren Sonntagsöffnungen im Einzelhandel gespalten. 43 Prozent der Befragten würden eine Lockerung „auf jeden Fall“ oder „eher“ befürworten, während 50 Prozent diese ablehnen. 6 Prozent machten keine Angabe. An der Befragung nahmen 4.022 Personen ab 18 Jahren teil.
Jüngere und Männer offener für Sonntagsöffnung
Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede nach Alter und Geschlecht: Jüngere und Männer stehen einer Lockerung der Sonntagsöffnungen offener gegenüber als Ältere und Frauen. Bereits vor knapp einem Jahr hatte YouGov eine ähnliche Umfrage durchgeführt. Damals war die Ablehnung mit 59 Prozent noch größer, während nur 34 Prozent für häufigere Sonntagsöffnungen waren.
Handelsverbände fordern mehr Flexibilität
Handelsverbände drängen seit längerem auf mehr und flexiblere Sonntagsöffnungen. „Einkaufen ist auch Freizeiterlebnis. Daher setzen wir uns für gelegentliche Sonntagsöffnungen im stationären Einzelhandel ein, insbesondere um Innenstädte attraktiv und lebendig zu halten“, sagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE).
Auch der Handelsverband Textil Schuhe und Lederwaren (BTE) fordert eine Vereinfachung der Regelungen. Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels kritisiert die bürokratischen Hürden: „Die Auflagen und Hürden der einzelnen Bundesländer sowie der Städte und Gemeinden führen vielfach dazu, dass verkaufsoffene Sonntage gar nicht erst beantragt werden – aus Angst, der geforderte Anlassbezug reiche nicht aus und werde womöglich kurzfristig vor Gericht gekippt.“ Pangels fordert die Abschaffung des Anlassbezugs und hält bis zu vier Sonntagsöffnungen pro Jahr in den meisten Städten für wirtschaftlich sinnvoll und für die Mitarbeitenden tragbar. „Für attraktive Standorte kann ich mir aber auch 10 bis 12 Sonntage vorstellen.“
Gewerkschaft Verdi warnt vor Belastung
Die Gewerkschaft Verdi lehnt eine Lockerung der Regelungen ab. „Der Sonntag ist für die Beschäftigten der einzige verlässlich planbare freie Tag, an dem Zeit für körperliche und mentale Entlastung in diesem anstrengenden Job bleibt“, sagt Vorstandsmitglied Silke Zimmer, zuständig für Handel. Längere Öffnungszeiten ließen immer weniger Raum für Familie, Freunde und Ehrenamt und brächten weder mehr Umsatz noch lebendigere Innenstädte. „Sie sind ein starkes Instrument im Verdrängungswettbewerb der großen Handelskonzerne“, so Zimmer. Die Folge seien noch trostlosere Innenstädte mit den immer gleichen Ketten.
Gesetzeslage und aktuelle Entwicklungen
An Sonn- und Feiertagen müssen Geschäfte in der Regel geschlossen bleiben. Die Regelungen zur Sonntagsöffnung sind im Ladenschlussgesetz festgelegt und variieren in den Bundesländern. Es ist eine Höchstzahl verkaufsoffener Sonntage vorgegeben, die an einen Anlass geknüpft sein müssen. Einige Länder haben ihre Gesetze jüngst angepasst. So ist in Schleswig-Holstein künftig auf dem Land sonn- und feiertags der Einkauf in Kleinstsupermärkten ohne Personal erlaubt. In Thüringen gibt es seit einigen Monaten ausdrückliche Regelungen für kleine 24-Stunden-Läden. Sonntags dürfen sie öffnen, allerdings nur ohne Personal.



