Weißer See: Hecke stoppt Wildbaden? Erste Bilanz der Ufer-Sperrung
Weißer See: Hecke stoppt Wildbaden? Erste Bilanz

Seit Mai dieses Jahres ist das Ufer des Weißen Sees in Berlin-Pankow durch eine neu gepflanzte Hecke abgeriegelt. Das Bezirksamt wollte damit das jahrzehntelang geduldete Wildbaden unterbinden. Nun liegt eine erste Bilanz vor: Die Maßnahme zeigt Wirkung, aber das Problem ist nicht vollständig gelöst.

Nach Angaben des Bezirksstadtrats für Ordnung und Umwelt, Torsten Kühne (CDU), ist die Zahl der unerlaubten Badegänge deutlich zurückgegangen. „Wir verzeichnen einen Rückgang von rund 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagte Kühne dem Tagesspiegel. Dennoch gebe es weiterhin vereinzelte Verstöße, insbesondere an heißen Tagen. Die Hecke sei kein unüberwindbares Hindernis, aber sie schrecke viele ab.

Hintergrund der Sperrung

Der Weiße See ist offiziell kein Badesee. Wegen der schlechten Wasserqualität und der Gefahr von Blaualgen besteht seit Jahrzehnten ein Badeverbot. Dieses wurde jedoch von Anwohnern und Besuchern jahrelang ignoriert. In den Sommern 2022 und 2023 kam es zu teils chaotischen Zuständen mit hunderten Wildbadern, Müll und Lärm. Das Bezirksamt entschied sich daher für eine physische Barriere.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Hecke aus Hainbuchen und Wildsträuchern wurde auf einer Länge von rund 500 Metern entlang des Ufers gepflanzt. Zusätzlich wurden Schilder aufgestellt und das Ordnungsamt verstärkt kontrolliert. Die Kosten beliefen sich auf etwa 50.000 Euro.

Reaktionen und Auswirkungen

Die Maßnahme war im Vorfeld umstritten. Kritiker befürchteten Vandalismus oder gar Volkszorn. „Bislang gab es keine nennenswerten Beschädigungen der Hecke“, berichtet Kühne. Auch die Zahl der Konflikte mit Badegästen sei gering. Das Ordnungsamt habe in den ersten zwei Monaten lediglich 15 Platzverweise ausgesprochen und drei Bußgelder verhängt.

Anwohner zeigen sich gespalten. Während einige die Ruhe begrüßen, beklagen andere den Verlust des Seezugangs. „Früher konnte man hier nach der Arbeit kurz ins Wasser springen, das geht jetzt nicht mehr“, sagt Anwohnerin Martina Schulz. Das Bezirksamt verweist auf offizielle Badestellen in der Umgebung, wie den Strandbad Weißer See, das allerdings Eintritt kostet.

Bilanz und Ausblick

Trotz des Erfolgs bleibt die Situation angespannt. An besonders heißen Tagen wie dem 15. Juni, als die Temperatur auf 35 Grad stieg, wurden erneut bis zu 50 Wildbader gezählt. Das Ordnungsamt reagierte mit verstärkten Streifen. Kühne betont: „Wir werden die Entwicklung weiter beobachten und gegebenenfalls nachjustieren.“

Die Hecke ist noch nicht ausgewachsen und soll in den kommenden Jahren dichter werden. Ob sie dann das Wildbaden endgültig unterbindet, bleibt abzuwarten. Das Bezirksamt plant zudem, die Beschilderung zu verbessern und Informationskampagnen zur Wasserqualität zu starten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration