Mittelmeerfruchtfliege: Superschädling bedroht Obstanbau in Baden-Württemberg
Mittelmeerfruchtfliege: Superschädling bedroht Obstanbau

Gefahr für Obstbauern in Baden-Württemberg

Die Mittelmeerfruchtfliege (Ceratitis capitata) breitet sich in Baden-Württemberg aus und könnte für Obstbauern zu einer ernsthaften Bedrohung werden. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe beobachtet die Entwicklung genau. Die Larven fressen sich durch das Fruchtfleisch von Äpfeln, Pfirsichen und anderen Früchten, was zu matschigen und ungenießbaren Erzeugnissen führt.

Herkunft und Eigenschaften der Mittelmeerfruchtfliege

Ursprünglich stammt die Mittelmeerfruchtfliege aus Subsahara-Afrika, also aus tropischen Regionen. Sie ist etwa 3,5 bis 5,5 Millimeter lang und hat auffällige Flügelzeichnungen. Weibchen besitzen einen Legeapparat, Männchen sogenannte Augenbürsten. Die Weibchen legen ihre Eier unter die Schale von reifenden Früchten, durchschnittlich 300 pro Weibchen, in Einzelfällen bis zu 1.000. Die Larven fressen sich durch das Fruchtfleisch und verpuppen sich anschließend im Boden.

Warum die Mittelmeerfruchtfliege als Superschädling gilt

Anders als heimische Arten wie die Walnussfruchtfliege oder Kirschfruchtfliege ist die Mittelmeerfruchtfliege nicht auf bestimmte Früchte spezialisiert. „Sie stürzt sich im Grunde auf alle Früchte“, erklärt Doris Betz vom LTZ. „Das macht einen Schädling zum Superschädling.“ Über 350 mögliche Wirtspflanzen sind bekannt, darunter Zitrusfrüchte, Stein- und Kernobst sowie Gemüse wie Paprika. In Deutschland befällt sie hauptsächlich Äpfel und Pfirsiche, aber auch Birnen und Aprikosen sind betroffen.

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Folgen eines Befalls

Die Einstichstellen sind oft unauffällig, aber die Larven verursachen im Inneren der Früchte matschige Stellen und dunkle Flecken. Pilze und Bakterien können die geschädigten Früchte leichter befallen. In der EU ist die Mittelmeerfruchtfliege nicht meldepflichtig, da sie in Südeuropa bereits weit verbreitet ist. Länder wie die USA, China und Japan stufen sie jedoch als Quarantäneschädling ein. Obstexporte in diese Länder erfordern daher strenge Auflagen, wie zertifizierte Kältebehandlungen während des Transports.

Vorkommen in Deutschland

Die Mittelmeerfruchtfliege ist in Deutschland seit den 1930er Jahren bekannt. In der Vergangenheit gab es immer wieder Jahre mit erheblichen Schäden, jedoch meist lokal und zeitlich begrenzt. Die Insekten werden vermutlich mit Obstimporten eingeschleppt und treten vor allem an Orten auf, wo Früchte in großen Mengen entsorgt werden, wie Großmärkte, Mülldeponien oder Kompostanlagen. Im Jahr 2023 trat die Fliege in Süddeutschland massiv und weit verbreitet auf und befiel Äpfel, Aprikosen, Pfirsiche und Kakis. Betroffen waren alle Anbauregionen in Baden-Württemberg sowie Teile Bayerns. Die Ursache für diesen starken Befall ist nicht abschließend geklärt, aber ein hohes Befallsaufkommen in anderen Anbauländern und der Import befallener Früchte werden vermutet.

Überlebenschancen in Deutschland

Weder die erwachsenen Fliegen noch Eier oder Larven sind kältetolerant, daher tritt ein Befall meist saisonal auf. In Wien überlebten in einer Kleingartenanlage keine Exemplare den Winter im Freiland, jedoch viele in einem geschützten Keller. Auch in Baden-Württemberg wird untersucht, ob die Insekten in Hecken oder Schuppen überwintern können. „Es reicht schon, wenn einige Individuen überwintern und dann die ersten Früchte der Saison befallen können“, erklärt Betz. Theoretisch könnten sich dann mehrere Generationen entwickeln, was derzeit aber noch unwahrscheinlich ist. Im Jahr 2023 legten die Fliegen nur einmal Eier. Besorgniserregend wäre ein Befall von Kirschen, da dies eine frühere Befallszeit bedeuten würde.

Einfluss des Klimawandels

Bislang kommen dauerhaft überwinternde Populationen nur bis etwa zum Breitengrad Nordgriechenlands vor. „Die Grenze verschiebt sich mit dem Klimawandel immer mehr nach Norden“, so Betz. Es werde jedoch noch lange dauern, bis sich die Fliegen in Deutschland vollständig etablieren können. „Es besteht also erstmal kein Grund zu Panik.“

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Natürliche Feinde und Bekämpfung

Einige wenige Wespenarten fressen die Fliegen oder befallen sie als Parasiten, kommen in Deutschland aber nur vereinzelt vor. Spezialisierte Gegenspieler fehlen. „Da bleibt bei einem Befall nichts anderes übrig als zu spritzen“, sagt Betz. Die deutschen Behörden tauschen sich mit Kollegen aus betroffenen Ländern über Erfahrungen und Strategien zur Regulierung aus.