Nabu fordert mehr Schutz für Wälder und Böden gegen Hitze in BW
Nabu: Mehr Schutz für Wälder und Böden gegen Hitze nötig

Mit Blick auf Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung ist die Natur in Baden-Württemberg laut einer Analyse noch vergleichsweise gut aufgestellt. Das liege an den Mittelgebirgen und dem hohen Waldanteil, sagte der Landesvorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu), Johannes Enssle. Vor allem in den Ballungszentren rund um Stuttgart und am Oberrhein müssten die natürlichen Ressourcen mit Schutzfunktionen jedoch gestärkt werden.

Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt Handlungsbedarf

Hintergrund ist der Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI), den das Econics Institute, eine Denkfabrik für Ökosysteme, erstellt hat. Dieser untersucht unter anderem mit Hilfe von Satellitenbildern, wie grün die Landschaft im Spätsommer ist. Ferner werden Niederschlag und die Oberflächentemperaturen berücksichtigt. Daraus leitet das Institut den Index ab. Auf Karten kann man anhand einer Farbskala von rot nach grün ablesen, ob Gebiete eher von austrocknenden Agrarlandschaften oder urbanen und stark versiegelten Räumen geprägt sind - oder beispielsweise Wälder für Feuchtigkeit und Erfrischung sorgen.

„Im Moment geht es schon ein bisschen um die Existenz“

„Ökosysteme, die leistungsfähiger sind, sind auch anpassungsfähiger“, sagte Studienautor Professor Pierre Ibisch. Grün, feucht und kühl sei dabei der entscheidende Dreiklang. „Im Moment geht es schon ein bisschen um die Existenz.“ Nabu-Landeschef Enssle machte deutlich, dass es auch in Deutschland mancherorts wie in Sachsen-Anhalt schon Wüstenbildung gebe. Wälder dürften nicht zu Savannen, Humusböden nicht zu Sandwüsten werden.

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Schwarzwald als Vorbild, aber auch gefährdet

Der Schwarzwald ist laut dem GFKI der größte zusammenhängende Naturraum Deutschlands mit einem positiven Trend - und steht damit entgegen der bundesweiten Entwicklung der vergangenen Jahre. Vor allem die Wälder mit naturnaher Bewirtschaftung wirkten kühlend auf die Landschaft. Allerdings gebe es auch dort Anzeichen für Fichtensterben, sagte Ibisch.

„Auch die Revitalisierung des Oberrheins, der Moorschutz im Westallgäu und das Entsiegeln und Begrünen von Städten helfen perspektivisch dabei, den Südwesten grüner, feuchter und kühler zu machen“, erklärte Enssle. Gerade dieser Tage spüre man auch in Baden-Württemberg die Folgen von Hitze und Trockenheit. Längerer Landregen sei nicht in Sicht. Die Auswirkungen werde man im Herbst sowie in den kommenden Jahren noch sehen.

Nabu setzt auf natürliche Infrastruktur

Daher ist es laut Enssle wichtig, Dienstleistungen zu nutzen, die Ökosysteme auf natürliche Weise bieten. Statt etwa teure Rückhaltebecken zu bauen, mache der Biber das kostenlos und kleinteiliger. Hier und da könnten die Tiere zwar zum Problem werden. Kosten für das Management seien aber überschaubar.

Der Nabu fordert Bund und Länder auf, die natürliche Infrastruktur konsequent zu stärken. Mit den Daten des GFKI wolle man mit Verantwortlichen auf landes- und bundespolitischer Ebene sprechen, sagte Enssle. In die Karten könne man darüber hinaus so detailliert reinzoomen, dass jede Gemeinde und jeder Naturschutz-Ortsverband feststellen könne, wo Handlungsbedarf bestehe.

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