Die britische Regierung verschärft ihren Kurs gegen die Social-Media-Nutzung von Jugendlichen. Nach einem bereits angekündigten Verbot für unter 16-Jährige sollen nun auch 16- und 17-Jährige nachts nicht mehr auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook zugreifen können. Die Maßnahme sieht vor, dass der Zugang zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens standardmäßig gesperrt wird. Jugendliche können die Sperre nur umgehen, indem sie die Voreinstellung aktiv ändern.
Technologieministerin betont Gesundheitsaspekt
„Diese Maßnahmen sind entscheidend, um jungen Menschen zu dem Schlaf zu verhelfen, den sie brauchen, sich auf Schule und Ausbildung zu konzentrieren und mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen“, erklärte Technologieministerin Liz Kendall. Die Regierung will zudem Funktionen, die zum endlosen Weiternutzen animieren, standardmäßig deaktivieren. Die Technologiekonzerne sollen gesetzlich zur Umsetzung der Sperre verpflichtet werden. Bei Verstößen drohten „sehr strenge regulatorische Sanktionen“, sagte der für Online-Sicherheit zuständige Minister Kanishka Narayan.
Opposition kritisiert Pläne als wirkungslos
Die oppositionelle Konservative Partei kritisierte die Pläne scharf. „Sperren, die sie einfach abschalten können, werden nichts bewirken“, sagte die Bildungsexpertin der Partei, Laura Trott. Die britische Regierung hatte vergangenen Monat bereits ein weitreichendes Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige angekündigt. Die Regelungen sollen bis Ende des Jahres ins Parlament eingebracht werden und im Frühjahr 2027 in Kraft treten. Die betroffenen Konzerne wie Meta und TikTok äußerten sich zunächst nicht.
Internationaler Trend zu Zugangsbeschränkungen
Die Debatte über Zugangsbeschränkungen für Kinder und Jugendliche auf den vor allem aus den USA und China betriebenen sozialen Plattformen hat in den vergangenen Monaten deutlich an Fahrt aufgenommen. Viele Länder – darunter Australien, Frankreich und Italien – schränken den Zugang von Kindern zu sozialen Medien ein. In Deutschland hat sich Familienministerin Karin Prien für ein Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige ausgesprochen, nachdem eine Expertenkommission im Juni Dutzende Handlungsempfehlungen abgegeben hatte.



