Nach über 100 Jahren: Grenzkontrollen zwischen Spanien und Gibraltar fallen
Historischer Schritt: Grenze Spanien-Gibraltar ohne Kontrollen

Seit Mitternacht ist die Grenze zwischen Spanien und Gibraltar ohne Kontrollen passierbar. Ein über 100 Jahre alter Metallzaun, der 1908 errichtet wurde, wird noch diese Woche abgebaut. Dies gab der spanische Außenminister José Manuel Albares bekannt, der von einem „historischen“ Ereignis sprach. Erstmals nach drei Jahrhunderten würden sich beide Seiten „die Hände reichen“, so Albares mit Blick auf die britische Inbesitznahme Gibraltars im Jahr 1704.

Abkommen zwischen EU und Großbritannien ebnet den Weg

Der Schritt wurde durch ein im Februar vereinbartes Abkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien ermöglicht, das am Mittwoch in Kraft trat. Ab sofort können Menschen und Waren die Grenze ohne Kontrollen überqueren. Im Gegenzug wird Gibraltar eng an den Schengen-Raum und neue EU-Zollregeln angebunden. Passkontrollen wird es nur auf dem Flughafen und dem Hafen Gibraltars geben.

Pendler profitieren von kürzeren Wartezeiten

Von den Änderungen profitieren vor allem die mehr als 15.000 Grenzpendler, die täglich zwischen der strukturschwachen Stadt La Línea de la Concepción in Andalusien und Gibraltar pendeln. Bisher mussten sie, besonders in der Hauptverkehrszeit, oft stundenlang an der Grenze warten. Das Abkommen soll zudem die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Region erleichtern.

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Brexit als paradoxer Wegbereiter

Ausgerechnet der Brexit ebnete den Weg für das Abkommen. Obwohl sich beim Referendum 2016 rund 96 Prozent der 34.000 Einwohner Gibraltars für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatten, musste das britische Überseegebiet die Union gemeinsam mit Großbritannien verlassen. Nach jahrelangen Verhandlungen einigten sich die Beteiligten auf einen Kompromiss, der den Grenzverkehr erleichtert, ohne den Souveränitätsstreit zu lösen. Spanien betrachtet Gibraltar als „Kolonie“ und illegal besetztes Gebiet.

Souveränitätsstreit bleibt ungelöst

„Das Abkommen sichert langfristig den Personen- und Warenverkehr über die Grenze, während es die Souveränität des Vereinigten Königreichs und Gibraltars verfassungsrechtliche Position schützt“, sagte eine Sprecherin des britischen Premierministers Keir Starmer. Britische Medien bezeichnen den Schritt als größte Änderung von Gibraltars Status seit seiner Zugehörigkeit zu Großbritannien. Das Portal „Politico“ kommentierte, es sei ironisch, dass ausgerechnet der Brexit dazu geführt habe.

Historische Spannungen und die Franco-Ära

Der Streit um Gibraltar führte immer wieder zu Spannungen zwischen Madrid und London. 1969 schloss der Diktator Francisco Franco die Grenze vollständig. Erst 1982 wurde sie für Fußgänger wiedereröffnet, drei Jahre später – ein Jahrzehnt nach Francos Tod – auch für Fahrzeuge. Das nur 6,5 Quadratkilometer große Gebiet, etwa so groß wie die ostfriesische Insel Baltrum, ist bekannt für seine frei lebenden Berberaffen und den Felsen Rock of Gibraltar. Es wurde 1704 von Großbritannien in Besitz genommen und 1713 von Spanien im Frieden von Utrecht abgetreten.

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