Sinkender Bierabsatz: Traditionsbrauereien in Baden-Württemberg unter Druck
Sinkender Bierabsatz bedroht Brauereien im Südwesten

Die Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim, die fast 350 Jahre lang Kriege und Wirtschaftskrisen überstanden hatte, muss endgültig schließen. Alle rund 240 verbliebenen Beschäftigten werden gekündigt. Bis Ende September sollen laufende Aufträge noch abgewickelt werden, danach geht in der Traditionsbrauerei das Licht aus. Die Rettung des insolventen Unternehmens ist gescheitert, keine Lösung war tragfähig.

Branche in der Krise: Sinkender Bierkonsum setzt Brauereien zu

Der Fall Eichbaum ist das prominenteste Beispiel einer Krise, die die Brauereien im Land erfasst hat. „Kämpfen tut jeder“, sagt Axel Grehl, Sprecher des Baden-Württembergischen Brauerbunds. Der Bierabsatz in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief gefallen: Mit 7,8 Milliarden Litern lag er sechs Prozent unter dem Vorjahreswert – die kleinste Menge seit Einführung der Statistik 1993. In Baden-Württemberg sank der Gesamtbierabsatz von rund 570 Millionen Litern 2023 auf etwas mehr als 490 Millionen Liter 2025. „In den letzten zehn Jahren haben wir in Baden-Württemberg rund 20 Prozent Absatz verloren“, berichtet Grehl.

Ursachen: Gesundheitsbewusstsein, Kostensteigerungen und Kaufzurückhaltung

Gründe für den Rückgang sind ein gesünderer Lebensstil ohne Alkohol, geänderte Trinkgewohnheiten und die Alterung der Gesellschaft. Hinzu kommen gestiegene Rohstoff- und Energiekosten sowie eine allgemeine Kaufzurückhaltung. „Die Brauereien haben im Moment multiple Probleme“, sagt Grehl. Der Markt für alkoholfreie Biere wachse zwar, könne die Rückgänge im Kerngeschäft aber nicht ausgleichen. Eichbaum selbst hatte die Insolvenz mit gesunkenen Exportumsätzen und rückläufiger Inlandsnachfrage begründet, was zu einem Liquiditätsengpass führte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Brauereien im Südwesten: 190 Betriebe, aber der Trend zeigt nach unten

Baden-Württemberg ist nach Bayern das Land mit den meisten Brauereien. Aktuell gibt es noch 190 Brauereien, 2022 waren es 214 – der Höchststand. Im Durchschnitt braut jede Brauerei mehr als zehn Biersorten. Mitte Juni meldete auch die Schussenrieder Brauerei Ott (Landkreis Biberach) Insolvenz an. Das Familienunternehmen in vierter Generation stellt rund sechs Millionen Liter Bier pro Jahr her; der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter.

Ausblick: Weitere Insolvenzen möglich, aber Branche gilt als resilient

Ob nach Eichbaum weitere Brauereien in Schieflage geraten, lasse sich nicht sagen, so Grehl. Akute Alarmsignale seien ihm nicht bekannt. „Es kann schon sein, dass es auf dem Markt noch Bereinigungsprozesse gibt. Das kann man nicht ausschließen, weil der wirtschaftliche Druck hoch ist – aber die baden-württembergische Brauereilandschaft ist noch resilient.“ Der Brauerbund beobachtet die Entwicklung genau, bleibt aber vorsichtig optimistisch.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration