Razavi kritisiert S21-Pannen: „Es geht um die Ehre eines Industriestandorts“
Razavi zu S21: „Es geht um die Ehre eines Industriestandorts“

Baden-Württembergs Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) hat mit scharfer Kritik auf die jüngsten Verzögerungen beim Bahnprojekt Stuttgart 21 reagiert. „Ich hätte mir in meinen dunkelsten Träumen nicht vorstellen können, welche Fehler die Bahn bei der Umsetzung gemacht hat“, sagte Razavi dem „Südkurier“. Sie nannte als Beispiele falsch verlegte Kabel und einen blauäugigen Umgang mit höheren Normen und Standards. „Das hätte sich, glaube ich, überhaupt niemand vorstellen können.“

Razavi: Fehler wie am BER

Die Ministerin, die erst seit wenigen Wochen im Amt ist, betonte, sie habe zwar mit Verzögerungen oder Korrekturen bei S21 gerechnet, aber nicht mit derart gravierenden Umsetzungsfehlern. „Mir geht es wie jedem Bürger, der sich fragt: Wie kann so etwas in Deutschland passieren? Es geht auch um die Ehre eines Industriestandorts.“ Sie verglich das Projekt mit dem Berliner Flughafen BER, der ebenfalls von massiven Pannen und Kostenexplosionen geplagt war. „Ich habe mich immer dagegen gewehrt, Stuttgart 21 mit dem BER zu vergleichen. Leider sind wir jetzt an diesem Punkt.“

S21 bleibt Befürworterin, aber kritische Begleitung

Trotz ihrer Kritik bekräftigte Razavi ihre grundsätzliche Unterstützung für das Projekt. „Ich bin weiterhin eine Befürworterin von Stuttgart 21“, sagte sie. Allerdings werde sie das Vorhaben als Verkehrsministerin nun „besonders kritisch begleiten“. Die klare Erwartung an die Bahn sei, dass Stuttgart 21 „vollumfänglich und zügig“ realisiert werde. Die Politik könne nichts für die aktuellen Verzögerungen, stellte Razavi klar: „Die Politik kümmert sich nicht darum, wie Kabel verlegt werden. Der Grund für die neue, mindestens fünfjährige Verzögerung liegt aber bei der Bahn selbst. Das ist echtes Versagen – das sage nicht nur ich, sondern das sagt die Bahn selbst.“

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Eröffnung erst 2031, Kosten steigen auf 14,5 Milliarden

Erst vor kurzem hatten Bahnvertreter in einer Sitzung des Verkehrsausschusses des Bundestages angekündigt, die Eröffnung von Stuttgart 21 um fünf Jahre zu verschieben. Teilnehmern zufolge soll der Tiefbahnhof nun Ende 2031 in Betrieb gehen. Der Termin war bereits mehrfach verschoben worden. Zudem steigen die Kosten für das Projekt drastisch. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur rechnet die Bahn mit Mehrkosten von rund 3 Milliarden Euro. Damit erhöhen sich die Gesamtkosten auf etwa 14,5 Milliarden Euro.

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